Agrarministerkonferenz in Bad Reichenhall: Politik muss handeln – Hängepartie für Milchbäuerinnen und Milchbauern beenden

Mit einer weiteren Protestaktion zur Agrarministerkonferenz in Bad Reichenhall erhöhen Bäuerinnen und Bauern den Druck auf die Agrarpolitik. Nach Aktionen in Stuttgart und der Schlepper-Demonstration in München setzen die Milchviehhalterinnen und -halter ihre bundesweiten Aktivitäten fort und fordern konkrete politische Entscheidungen zur Stabilisierung der Agrarmärkte.

Mit einer dauerhaften Präsenz direkt am Tagungsort richten sich die Teilnehmenden unmittelbar an die Agrarministerinnen und Agrarminister von Bund und Ländern. Im Mittelpunkt steht die Forderung, die anhaltende Marktkrise nicht länger auszusitzen, sondern wirksame Maßnahmen einzuleiten.

Hintergrund sind dauerhaft zu niedrige Erzeugerpreise, die seit Jahren zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten auf den Höfen führen. Kurzfristige Preisaufschwünge reichen nicht aus, um strukturelle Defizite auszugleichen oder Rücklagen zu bilden. Die Folge sind fehlende Planungssicherheit, der Verlust wirtschaftlicher Perspektiven und zunehmend unmögliche Hofnachfolgen.

„Die Hängepartie für die Milchbäuerinnen und Milchbauern muss endlich ein Ende haben. Eine Marktkrise folgt der nächsten, während politisch wirksame Entscheidungen weiter aufgeschoben werden“, erklärt Manfred Gilch, BDM-Vorstand. „Im Mittelpunkt unserer Forderungen steht die sofortige Aktivierung des Freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene. Dieses Instrument ist erprobt, wirksam und setzt genau dort an, wo das Problem liegt: zu viel Menge drückt auf den Markt und damit auf die Preise.“

Gleichzeitig brauche es ein umfassendes Maßnahmenpaket, um wiederkehrende Marktkrisen künftig wirksam zu verhindern. „Solange die Politik hier nicht handelt, werden die wirtschaftlichen Perspektiven für bäuerliche Betriebe weiter zerstört. Warten ist keine Option mehr“, so Gilch weiter.

Niedersachsen setzt den richtigen Impuls – Rheinland-Pfalz zieht nach
Der BDM begrüßt ausdrücklich, dass mit dem Beschlussvorschlag aus Niedersachsen (TOP 18: „Konsequenzen aus der Milchpreiskrise“) die richtige und notwendige Initiative durch Ministerin Miriam Staudte auf den Tisch der AMK gebracht wurde. Niedersachsen fordert darin, dass sich die Länder zum freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung bekennen und den Bund auffordern, sich bei der Europäischen Kommission für die Anwendung der Artikel 219 ff. GMO stark zu machen. Dieser Vorstoß war der entscheidende Stein des Anstoßes für die länderübergreifende Debatte, die jetzt auf der AMK geführt werden muss.

Besonders erfreulich ist, dass auch Rheinland-Pfalz mit einem Änderungsantrag nachgezogen hat, der die Notwendigkeit eines freiwilligen Lieferverzichts gegen Entschädigung keineswegs abstreitet, sondern bekräftigt. Rheinland-Pfalz betont, dass mit den Vorgaben des Artikels 219 ff. GMO ein geeignetes Instrument zur Verfügung steht, das den Markt auf Basis freiwilliger Teilnahme kurzfristig stabilisieren kann, und fordert den Bund auf, die Europäische Kommission zur Prüfung einer entsprechenden Anwendung aufzufordern. Damit erhält die niedersächsische Initiative wichtige Rückendeckung.

Die gesamte Branche erkennt die Milchkrise an
Mittlerweile besteht in der gesamten Milchbranche Einigkeit darüber, dass es sich um eine echte Milchmarktkrise handelt. Akteure wie DBV und MIV, die in der Vergangenheit Krisen am Milchmarkt regelmäßig heruntergespielt haben – haben sich beim Berliner Milchforum am 13. März 2026 nun auch zur angespannten Marktlage geäußert. Beide machten deutlich, dass sich der Markt ohne eine Anpassung der Milchmengen auf Erzeugerseite nicht verändern wird.

Auch der Milchgipfel im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat am 11. Februar 2026 hat die krisenhafte Situation verbändeübergreifend bestätigt. Nach einem Jahresdurchschnittspreis von rund 51 ct/kg im Jahr 2025 sind die Erzeugerpreise zum Jahreswechsel 2026 um 16 ct/kg und mehr gefallen. Die wöchentliche Milchanlieferung liegt aktuell rund 6 % über dem Vorjahresniveau. Die durchschnittlichen Produktionskosten liegen laut Milch-Marker-Index bei 53,73 ct/kg – zahlreiche Betriebe wirtschaften damit weit unter der Kostendeckung.

BDM-Forderung an die AMK: Jetzt handeln!
Bundesvorstand Manfred Gilch: „Die Milcherzeugerinnen und Milcherzeuger brauchen jetzt ein klares politisches Signal – keine weiteren Appelle, die ins Leere laufen, und keine Steuerkonstrukte, die als Krisenlösungen verkauft werden.“

Der BDM erwartet von der Agrarministerkonferenz in Bad Reichenhall konkret:

  1.  Dass die AMK sich geschlossen zum freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung nach Artikel 219 ff. GMO bekennt und den Bundesminister auffordert, dessen Aktivierung in Brüssel einzufordern – nach dem Vorbild der erfolgreichen Krisenmaßnahme 2016/2017.
  2.  Dass die AMK den Bundesminister auffordert, sich im Rahmen der laufenden GMO-Novellierung für strukturelle Reformen einzusetzen: eine eigenständige Branchenorganisation Landwirtschaft (Art. 157 GMO), ein mehrstufiges Krisenmanagement mit Frühwarnsystem sowie die verbindliche Umsetzung von Art. 148 GMO ohne Ausnahme für Genossenschaften.
  3.  Dass die AMK die Weichenstellungen für eine echte Weiterentwicklung der GAP und GMO vornimmt.

Zur Aktion vor Ort:
Im Rahmen der Aktion machen die Teilnehmenden ihre Situation auch visuell deutlich: Unter dem Motto „Milchkrise 5.0: Politik lässt Bauern hängen! Wie oft noch?“ wird die aktuelle Lage symbolisch dargestellt. Mit stündlichen, lautstarken Aktionen verleihen die Milchbäuerinnen und Milchbauern ihren Forderungen zusätzlich Nachdruck. Bereits ab dem Vormittag treffen Schlepper am Veranstaltungsort ein. Zudem werden die ankommenden Ministerinnen und Minister direkt vor Ort empfangen. Höhepunkt des Aktionstags ist eine Kundgebung um 13 Uhr am Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall.

Die Aktion versteht sich – wie bereits in München – als klare und dringende Aufforderung zum politischen Handeln. Die Bäuerinnen und Bauern machen deutlich: Bewährte Instrumente und Konzepte liegen vor, die Verantwortung liegt nun bei der Politik.