Erstmals wurde der neue BDM-Podcast „Milch.Macht.Politik“ live vor Publikum aufgezeichnet. Moderiert von den Milchviehhaltern Jens Scherb und Uschi Trede (BDM-Bundesvorstand) diskutierten Hans Foldenauer und weitere BDM-Mitglieder mit Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH).
BDM-Podcast-Reihe „Milch.Macht.Politik“: Milchpreis, Handel & Verantwortung – Wege aus der Krise

Im Fokus: die Spannungen innerhalb der Wertschöpfungskette Milch – und die zentrale Frage, wie ein Ausweg aus den anhaltenden Krisen gelingen kann.
Im Rahmen der Grünen Woche in Berlin hat der BDM zu einem hochkarätigen Format geladen: Erstmals wurde der bekannte BDM-Podcast live vor Publikum aufgezeichnet. Moderiert von den Milchviehhaltern Jens Scherb und Uschi Trede (BDM-Bundesvorstand) diskutierten Hans Foldenauer und weitere BDM-Mitglieder mit dem Gast Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), über die Spannungen in der Wertschöpfungskette – und darüber, wie man aus Dauerkrisen herauskommen kann.
Hennerkes skizzierte zu Beginn seinen beruflichen Hintergrund aus Politik- und Kommunikationsberatung sowie seine frühere Tätigkeit für EDEKA. Wichtig sei ihm vor allem der direkte Austausch entlang der Wertschöpfungskette: nicht übereinander zu reden, sondern Betriebe kennenzulernen und Zusammenhänge zu verstehen. Gleichzeitig stellte er klar, dass er die Interessen des Handels vertrete, seine politische Arbeit jedoch als Arbeit „für die Kette“ verstehe – mit dem Ziel, Preisbildung und Verantwortlichkeiten ehrlich zu betrachten, einschließlich der Zwischenstufen.
Inhaltlich entzündete sich die Diskussion rasch an symbolträchtigen Tiefpreisaktionen wie der „99-Cent-Butter“. Hans Foldenauer formulierte den bekannten Vorwurf, der harte Wettbewerb im Handel drücke die Preise unnötig und gehe zulasten der Erzeuger. Hennerkes widersprach: Ein Verkauf unter Einstandspreis sei gesetzlich verboten; wer Verstöße vermute, müsse diese anzeigen. Entscheidend sei die Kausalkette: Übermengen und Angebotsdruck aus den Molkereien machten solche Preise überhaupt erst möglich. In einem Markt mit austauschbaren Rohstoffen und extrem preissensiblen Verbraucherinnen und Verbrauchern setze der Wettbewerb dann die Preissignale.
Besonders zugespitzt wurde die Debatte, als ein politisches Statement von Minister Peter Hauk aus Baden-Württemberg eingespielt wurde, in dem von „Reibach“ im LEH, Oligopolen und „roten Linien“ von Erzeugungskosten, ergo Mindestpreisen die Rede war. Hennerkes kritisierte diese Aussagen als populistisch und plädierte dafür, statt Schuldzuweisungen die Systemmechanik in den Blick zu nehmen: die entkoppelte Weltmarktlogik, hohe Exportanteile und die Frage, wie sich extreme Preisschwankungen abfedern lassen.
Aus Sicht der BDM-Vertreter zeigte sich die Krise sehr konkret: Innerhalb weniger Monate sind die Milchpreise teils von rund 50 Cent auf unter 40 Cent gefallen – bei gleichbleibenden oder steigenden Kosten. Die Folge sind massive Liquiditätsprobleme auf den Betrieben. Als möglicher Ausweg wurden Instrumente zur Mengenanpassung diskutiert, etwa ein freiwilliger Lieferverzicht gegen Entschädigung, wie er in der Milchkrise 2016/17 angewandt wurde und über den EU-Krisenfonds finanziert werden kann. Ergänzend brachte Hennerkes die Idee einer „qualitativen Verknappung“ ins Spiel: Mehrwerte wie Regionalität oder Tierwohl könnten das Angebot differenzieren und Preisniveaus stabilisieren – ohne wirtschaftliche Eingriffe.
Zum Abschluss blieb als gemeinsamer Nenner: Lösungen liegen nicht in weiteren Schlagabtauschen, sondern in verbindlicheren Umsetzungswegen und einem besseren Zusammenspiel der Akteure. Der Live-Podcast zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll ein direkter, auch kontroverser Austausch sein kann, wenn er sich auf Fakten konzentriert – und nicht auf Sündenböcke.
