Ziel der bislang einmaligen Kooperation ist die Entwicklung eines faktenbasierten, transparenten und für alle Seiten gleichermaßen akzeptablen Instruments: eines Milchmarkt-Krisenindex.
Detlev Latka, Vorsitzender des MIV, erklärt: „Wir beobachten seit Jahren, dass Betriebe aufgeben – offenbar aus Gründen, die bislang nicht eindeutig als Krise definiert werden konnten. Gleichzeitig stellen wir fest, dass politische Reaktionen zuverlässig erst dann einsetzen, wenn sich die Lage bereits entspannt hat. Diese Lücke wollen wir nun wissenschaftlich schließen.“
Auch der BDM sieht dringenden Handlungsbedarf. Vorstandsvorsitzender Karsten Hansen betont:
„Während ein Teil Europas von einer Krise spricht und explizit einen Freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung fordert, diskutiert Deutschland noch darüber, ob steigende Kosten bei gleichzeitig unzureichenden Erlösen möglicherweise nur ein Gefühl sein könnten. Diese Debatte braucht endlich eine belastbare Grundlage – idealerweise eine, die man nicht wegdiskutieren kann.“
Der geplante Milchmarkt-Krisenindex soll künftig eindeutig anzeigen, ob eine Krise vorliegt oder nicht. Grundlage sind objektive, nachvollziehbare und – soweit möglich – unstrittige Daten.
Das Funktionsprinzip ist bewusst einfach gehalten:
Sinkt der Index um vorab definierte Prozentpunkte, liegt eine Krise vor. Steigt er, liegt keine Krise vor. Bleibt er unverändert, wird die Datengrundlage überprüft.
Langfristig soll der Index als verbindlicher Maßstab auf EU-Ebene etabliert werden und politische Entscheidungsprozesse erleichtern und beschleunigen. Vorgesehen ist eine Verankerung im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Marktordnung (GMO), idealerweise in einer eigens dafür geschaffenen, unabhängigen Branchenorganisation.
MIV-Geschäftsführer Björn Börgermann begrüßt die Zusammenarbeit:
„Auch wenn wir uns in der Bewertung geeigneter Maßnahmen weiterhin unterscheiden, sind wir uns nun zumindest darin einig, dass es hilfreich wäre, sich zunächst auf eine gemeinsame Realität zu verständigen.“
Die Aufzeichnung der Ratssitzung, in der weiterhin keine Krise festgestellt werden konnte, ist hier abrufbar: https://link.europa.eu/6cPyqV