(Berlin) Wie jedes Jahr hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. am ersten Samstag der Grünen Woche in Berlin zu seinem Symposium eingeladen und rund 700 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter aus ganz Deutschland waren dieser Einladung gefolgt. Ein Beleg für den hohen Stellenwert, den diese Veranstaltung bei den Landwirten einnimmt.
BDM-Symposium: Sehr gut besucht, hochkarätig besetzt und intensive Diskussionen

„Keine andere Veranstaltung rund um die Grüne Woche dürfte ähnlich gut von aktiven Bäuerinnen und Bauern besucht sein“, zeigte sich BDM-Vorstand Stefan Lehmann erfreut, „zumal wenn man in Betracht zieht, dass hier mit der Milchviehhaltung ja nur ein Teilbereich der Landwirtschaft vertreten ist.“
„Freie Märkte ohne Freiheit für die Bauern?“ lautete die zentrale Frage des Symposiums, die in zwei Panels näher konkretisiert wurde. In beiden Runden diskutierten hochkarätige Referenten nach einem kurzen Impulsreferat unmittelbar mit den Milchviehhaltern. Moderiert wurden beide Panels kenntnisreich und unterhaltsam von Christine Schneider, Redakteurin der Sendung „Unser Land“ des Bayerischen Rundfunks.
Nach Grußworten von Peter Bleser, Staatssekretär des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, und Roland Röder von der Aktion 3. Welt Saar spannte Franz Kotteder, Autor und Redakteur der Süddeutschen Zeitung, in seiner Keynote den Bogen zunächst ein wenig weiter: Den versprochenen Vorteilen stellte er die Gefahren des Freihandels für Gesellschaft und Demokratie gegenüber und mahnte zur Aufmerksamkeit.
Das erste Panel beschäftigte sich mit dem Thema „Milchpolitik – Wie viel Eingriff verträgt der freie Markt?“. Trotz der ganz kurzfristigen, krankheitsbedingten Absage von Kees de Vries, Mitglied des Agrarausschusses des Bundestags (CDU), entspann sich eine angeregte Diskussion zwischen Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck und den Milchviehhaltern aus Bayern und Sachsen-Anhalt, die mit ihm auf dem Podium saßen. In seinem Eingangsstatement wies Habeck darauf hin, dass sich kein Bauer für das entschuldigen müsse, was in der Vergangenheit gesellschaftlich gewollt war. Die Bauern hätten mit ihren Produktionssteigerungen dafür gesorgt, dass die Bürger mit hochwertigen Lebensmitteln satt gemacht werden konnten und genügend Geld für andere Güter wie Gesundheit, Bildung und Kultur übrig blieb. Nun sei man an einem Punkt, an dem man gesellschaftlich neu beantworten müsse, ob ein „Weiter so“ um den Preis, dass die Preise noch weiter abrutschen und noch weniger Bauern existieren können, der richtige Weg für die Zukunft sei. Es sei politische Aufgabe, den ländlichen Raum zu stabilisieren. Man habe mittlerweile genug Dörfer ohne Landwirte. Die Politik habe eine strukturell ordnende Verantwortung. Nur wenn einem egal sei, wie viele Landwirte es künftig noch geben werde, könne man in der Krise sagen, der Markt richte es alleine. Die Diskussion um die vom BDM geforderten mengenreduzierenden Krisenmaßnahmen in den vergangenen Monaten habe gezeigt, dass es allein eine Frage des politischen Willens und nicht der Machbarkeit sei, ob der Milchmarkt im Sinne der Landwirte gestaltet werden kann, so der Minister.



In der anschließenden Diskussion mit den Milchviehhaltern hoben diese besonders hervor, wie wichtig es in einem globalen Markt sei, in dem der Wettbewerbsdruck unter den Molkereien hoch ist, dass die Verhandlungsposition der Milchviehhalter gegenüber den Molkereien maßgeblich dadurch verbessert werde, dass der Milchmarkt nicht durch ein zu hohes Angebot in Schieflage gerate.

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