Die erneute Hitze und anhaltende Trockenheit setzen Mensch und Tier erheblich unter Druck. Für Milchviehbetriebe bedeutet sie nicht nur eine enorme Belastung für die Tiere, sondern auch weiter steigende Kosten. Gleichzeitig wird vereinzelt darauf verwiesen, hitzebedingte geringere Milchanlieferungen könnten den Milchmarkt entlasten. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) weist diese Sichtweise entschieden zurück.
Hitze ist keine Marktpolitik: BDM kritisiert Hoffnungen auf sinkende Milchanlieferungen

„Wer darauf hofft, dass Hitzewellen den Milchmarkt bereinigen, nimmt in Kauf, dass Mensch und Tier unter den Folgen extremer Wetterereignisse leiden. Eine solche Haltung ist zynisch. Sie ersetzt politische Verantwortung durch das Prinzip Hoffnung“, erklärt BDM-Vorsitzender Karsten Hansen.
Hitzestress führt dazu, dass Kühe weniger Milch geben. Das ist kein marktwirtschaftlicher Erfolg, sondern ein deutliches Zeichen körperlicher Belastung. Gleichzeitig verschärft die Trockenheit die wirtschaftliche Situation der Betriebe. Futtererträge bleiben aus, Grundfutter muss teuer zugekauft werden, und die Produktionskosten steigen weiter.
Besonders dramatisch ist diese Entwicklung, weil die Milchviehbetriebe bereits seit Herbst letzten Jahres weit unter ihren Produktionskosten arbeiten. Nach den jüngsten Berechnungen liegt die Kostenunterdeckung inzwischen bei annähernd 30 Prozent. Jeder zusätzliche Kostenanstieg verschärft die wirtschaftliche Schieflage und bringt weitere Betriebe an ihre Grenzen.
Auch die Erfahrungen der vergangenen Wochen zeigen, dass Wetterextreme keine Lösung für Marktprobleme darstellen. Während der Hitzeperiode Ende Juni/Anfang Juli 2026 gingen die Milchanlieferungen zwar kurzfristig auf das Niveau des Vorjahres zurück. Bereits eine Woche nach Ende der Hitzewelle lagen sie jedoch wieder rund vier Prozent über dem Vorjahresniveau.
„Es ist eine Bankrotterklärung, wenn immer wieder Betriebsaufgaben, Extremwetterlagen oder Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit als Lösung für Marktkrisen herhalten sollen. Solche Ereignisse verursachen Leid für Mensch und Tier und treiben die Kosten der Betriebe weiter in die Höhe. Sie dürfen niemals als Ersatz für eine funktionierende Marktpolitik herangezogen werden,“ so Hansen.
Der BDM erinnert daran, dass die Europäische Union mit der Gemeinsamen Marktordnung bereits über wirksame Instrumente verfügt, um in Krisensituationen Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
„Die Betriebe brauchen keine Wetterkapriolen als Marktregulator, sondern eine Politik, die die vorhandenen Instrumente der Gemeinsamen Marktordnung endlich nutzt. Wer darauf wartet, dass Hitze oder Tierseuchen den Markt bereinigen, hat seinen politischen Gestaltungsauftrag aufgegeben“, kritisiert Hansen.
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