BDM-Landesteam NRW lud zum Meinungsaustausch

Das BDM-Landesteam NRW hatte die beiden Bauernverbände Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband (WLV) und Rheinischer Landwirtschaftsverband (RLV) Anfang März zum gemeinsamen Gespräch eingeladen. Fast auf der Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen traf man sich auf dem Betrieb von Brigitte Maaßen in Isselburg.

Von beiden Bauernverbänden waren die jeweiligen Milchreferenten, Dr. Franz Weyermann vom RLV und Anna Althoff vom WLV, dabei. Neben Milcherzeugern aus der Region waren auch die Vorsitzenden der jeweiligen Milchausschüsse dabei: Paul Küsken vom RLV und Benedikt Langemeyer vom WLV, der in dieser Position Nachfolger von Wilhelm Brüggemeier ist. Zudem ist er seit vielen Jahren Aufsichtsratsmitglied beim DMK.

In der Begrüßung gab BDM-Landesvorsitzender Michael Alterauge die Richtung vor: Dass vor allem über die Zukunft der Milcherzeugung und die Perspektiven der jungen Milchbauern diskutiert werden sollte und nicht über die in der Vergangenheit liegenden Meinungsverschiedenheiten. Bis auf eine Person wurden alle Beteiligten diesem Anspruch gerecht.
Nachdem Gregor Holland als Vertreter der MEG Milch Board die Entwicklung der Milcherzeugungskosten und der Milcherlöse anhand des MilchMarker-Indexes darstellte, informierte er über die Kosten für Tierwohlmaßnahmen. Im Auftrag der MEG Milch Board hatte Dr. Karin Jürgens die Kosten für mehr Tierwohl im Stall und für die Weidehaltung ermittelt. Je nach Region waren Mehrkosten von 12 bis 16 Cent je kg Milch dabei errechnet worden.

Daraufhin entbrannte eine lebhafte Diskussion unter den Milcherzeugern, die überwiegend Mitglieder und Lieferanten bei Arla sind. Alle waren sich einig, dass die immer höheren Auflagen bei Arla nur zu einem kleinen Teil über Zuschläge honoriert werden und dann zum größten Teil wieder durch einen abgesenkten Grundpreis vernichtet werden. Bisher ist es nicht gelungen, dieses Vorgehen durch Einwände der deutschen Mitglieder zu stoppen. Die Vorgaben kämen aus Skandinavien, wo diese Standards häufig üblich seien. Vorstandsmitglied Elmar HannenDiese würden dann auch in Deutschland eingeführt, ohne die regionalen Besonderheiten zu berücksichtigen. Alle waren sich ebenso einig, dass höhere Auflagen bei Arla auch zu einem höheren Gesamterlös führen müssten. In diesem Zusammenhang verwies BDM-Vorstand Elmar Hannen auf ein wesentliches Ergebnis der Zukunftskommission Landwirtschaft: „Der Markt muss am Umbau der Tierhaltung beteiligt werden“, heißt es dort.

Spannend wurde es dann bei der Beurteilung der aktuellen Lage am Milchmarkt: Einigkeit bestand noch in der Feststellung, dass im Moment zu viel Milch am Markt vorhanden ist. Auch mit Blick auf die weitere Marktentwicklung war man sich einig, dass diese sehr schwer einzuschätzen ist. Insbesondere die Betriebsaufgabe von Milcherzeugern, welche die Erzeugung nur aufgrund der hohen Erlöse noch weitergeführt hätten, betrachtete RLV-Milchreferent Dr. Franz Weyermann als Entlastungspotenzial. Michael Alterauge verwies auf das sich abzeichnende niedrigere Preisniveau und forderte, sich bei der Politik auf allen Ebenen für das Auslösen eines freiwilligen Lieferverzichtes, wie 2016 praktiziert, einzusetzen. Das Instrument sei umsetzbar, erprobt und habe 2016 die Markterholung deutlich unterstützt. Ansonsten drohe ein Preisniveau, welches zu massiven Eigenkapitalverlusten und am Ende zu weiteren Betriebsaufgaben führe. Die Wirksamkeit des freiwilligen Lieferverzichtes wurde von Dr. Franz Weyermann allerdings heftig in Frage gestellt, gleichzeitig sah er auf EU-Ebene keine Bereitschaft für eine Umsetzung. Vielmehr zeigte er sich überzeugt, dass auf politischer Ebene in Deutschland die Diskussion um Änderungen bei der Vertragsgestaltung zwischen Molkereien und Erzeuger geführt würde. Eine Antwort, mit welchen möglichen Ergebnissen zu rechnen sei, blieb er indes schuldig.

Karl Watermann, ebenfalls BDM-Landesvorsitzender, wollte von WLV-Vertreter Benedikt Langemeyer wissen, wie das DMK die Mengen- und Marktentwicklung über einen Zeitraum von 4 bis 5 Jahren einschätze. Langemeyer führte aus, dass sich das DMK sehr intensiv mit solchen Fragestellungen beschäftige. Man gehe von einer deutlich sinkenden Milcherzeugung aus. Gründe seien Betriebsaufgaben der Babyboomer-Jahrgänge. Betriebsaufgaben, da viele Bauern nicht mehr hohe Summen in Beton investieren wollten und die Tatsache, dass man mit einem deutlichen Rückgang der ca. 600 000 Kühe in Norddeutschland auf Moorstandorten rechnen müsse, so Langemeyer. Der Rückgang der Milchmenge würde nach Einschätzung des DMK größer ausfallen als der durch Konsumverzicht und Milchersatzprodukte getriebene Rückgang der Milchnachfrage.

Zum Ende des Treffens verwies Dr. Franz Weyermann auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens gegen die drohenden Auflagen, allen voran die Bewirtschaftungseinschränkungen in Bezug auf Pflanzenschutz und Düngung sowie den Plänen zur Immissionsschutzrichtlinie bei Tierhaltungen. Diese und andere Fragen sollten nach Möglichkeit in Kürze bei einem gemeinsamen Treffen mit Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen in Düsseldorf vertieft werden.


 

Kommentar: Wieder einmal hat sich gezeigt, dass die traditionellen Bauernverbände vor allem eins können: Probleme wegzudiskutieren und zu negieren – man setzt seit jeher auf Marktbereinigung durch Betriebsaufgaben. Jeder Ansatz, der an der Milchmenge als problematischem Punkt ansetzt, wird gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Es ist erschreckend, mit welcher Gelassenheit man mit den Hofaufgaben von Berufskollegen umgeht. Hofaufgaben, die es teilweise nicht gegeben hätte, wenn sich dieses Spiel nicht schon seit Jahren wiederholen würde: Die Krise zunächst leugnen, kleinreden und dann auf Marktbereinigung durch Betriebsaufgaben setzen statt aktiv an der Milchmenge anzusetzen. Den freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung haben sich die Milchbäuerinnen und Milchbauern als Kriseninstrument in der letzten Milchkrise gegen den Widerstand der Industrie und des Bauernverbands auf EU-Ebene erkämpft. Nun steht dieses Kriseninstrument schon zur Verfügung und könnte mit entsprechendem politischen Einsatz aktiviert werden – und doch scheint es für Einige immer noch attraktiver zu sein, darauf zu warten, dass genug Betriebe einfach aufgeben.