BY: BDM-Podiumsdiskussion zum Thema Naturschutz im Oberallgäu

Ein hochkarätig besetztes Podium konnten die Junglandwirte des BDM-Teams Oberallgäu zum Thema „Landwirtschaft, Naturschutz – und unsere Zukunft“ in Sulzberg präsentieren. Neben dem BDM-Landesvorsitzenden Hans Leis, der für den erkrankten Johannes Pfaller kurzfristig einsprang, nahmen auch Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz, Eric Beißwenger, CSU-MdL und stellverstretender Vorsitzender des Umweltausschusses, BBV-Kreisobmann Elmar Karg (Lindau – für den verhinderten Bezirksobmann Alfred Enderle), Johann Stich, Chefredakteur des Allgäuer Bauernblattes und der streitbare und langjährige Bio-Bauer Klaus Vidal auf dem Podium Platz.

Zusätzlich wurde die breite Themenstellung durch den einführenden Vortrag der Studierenden der Landwirtschaftsschule Kempten bereichert, die sehr klar die heutigen Anforderungen an junge Landwirte darlegten, sich allerdings auch ausdrücklich zu diesen bekannten und Lösungsvorschläge präsentierten. Die offizielle Begrüßung für das BDM-Kreisteam erfolgte im Anschluss durch die Junglandwirte und Hofnachfolger, die in Einzel-Statements die vor der Landwirtschaft liegende Fragen thematisierten und somit schon beleuchteten, welchen unterschiedlichen Herausforderungen junge Landwirte heute begegnen müssen.

BY_EC6F7333_0C9B_4A46_BA58_9A1AB96C6B33_1.JPGSomit präsentierte sich für das Podium und dem Moderator Johannes Fritz, Referent für politische Arbeit und Kommunikation des BDM e.V., ein nahezu grenzenloses Feld an strittigen und damit im Rahmen einer Podiumsdiskussion auch diskussionswürdigen Themen. Trotz der grundsätzlichen Zielsetzung der Diskussion, die Interessen von Landwirtschaft und die steigenden gesellschaftlichen Interessen an den Naturschutz zusammen zu führen, stand im Folgenden einmal mehr das Volksbegehren zum Artenschutz im Zentrum der Diskussion. Wie groß der Frust der Landwirte über die im Volksbegehren einseitig an die Landwirtschaft gerichteten Forderungen ist, konnte BUND-Vorsitzender Mergner nachdrücklich erleben: Nahezu jede Frage bezog sich auf das erfolgreiche Volksbegehren und richtete sich, teilweise auch in einer sehr emotionalen Form an den BUND-Vorsitzenden, der die Zielsetzung des Volksbegehrens allerdings wacker verteidigte und auch viele der Kritikpunkte widerlegen konnte.

Eric Beißwenger berichtete, dass die Politik gerade mit den Initiatoren des Volksbegehrens zusammenkäme, um den vorliegenden Gesetzesentwurf zu einem „noch besseren Entwurf“ auch für die Landwirte zu machen. „Die Gespräche laufen gut“, ließ er die Zuhörer wissen. Als Mittel, um Druck aus der Situation zu nehmen, nannte Beißwenger die Prämien, die es im Moment schon gebe für den Vertragsnaturschutz oder das Kulturlandschaftsprogramm. Solche Instrumente würden ausgebaut.

Es werde in Politik und Gesellschaft nicht wahrgenommen, was in der Landwirtschaft geleistet wird, kritisierte der Lindauer Kreisobmann Elmar Karg. Das gelte insbesondere auch für  den Beitrag, den Landwirte Tag für Tag erbringen. Das Allgäu sei mit einer Quote von 20% Biobetrieben führend. Mehr gehe momentan nicht, weil der Markt nicht mehr zulasse. „Es gibt Leute, die viel und laut über Naturschutz reden, wir betreiben ihn seit Jahrzehnten“, betonte der Landwirt aus Hergatz.

Dem widersprach Richard Mergner (BUND). Er sei gegen Wachsen oder Weichen: „Wir machen nicht die Bauern verantwortlich, sondern die verfehlte Agrarpolitik, die sie zur Intensivierung zwingt“, betonte Naturschützer Mergner auf dem Podium immer wieder, es bräuchte andere Rahmenbedingungen, sodass nicht die großen Betriebe die Preise der kleinen kaputt machten. 80 Prozent der Agrarförderung gehe an 20 Prozent der Betriebe.

Das sei die Fehlentwicklung in der Politik meinte auch Hans Leis, BDM-Landesvorsitzender aus dem oberbayerischen Uffing. „Im Moment trägt der Landwirt das unternehmerische Hauptrisiko.“ Der Milchpreis beziehe sich auf den Weltmarkt. Wenn Europa zu viel Milch produziere, müssten die Molkereien Produkte auf dem Weltmarkt unterbringen, und um die Produkte dort zu platzieren, gehe das nur über den Preis. Erst wenn dieser Missstand behoben sei, „können wir über alles Weitere reden. Denn im Moment können wir zusätzliche Leistungen einfach nicht erbringen“. Ein Mittel dafür ist die BDM-Sektorstrategie Milch 2030, die den Markt im Falle einer Krise stützen kann.

Johann Stich gab zu bedenken, das die Landwirtschaft und ihre Verbände zu spät auf die Inhalte des Volksbegehrens reagiert haben. Verbesserungen müssten auf Freiwilligkeit beruhen und auf Basis der guten fachlichen Praxis erfolgen. Denn nicht der Verbraucher habe die Kulturlandschaft gepflegt, sondern Landwirte.
Der Bio-Landwirt Klaus Vidal aus dem Landkreis Neu-Ulm bekannte, dass er wegen des Volksbegehrens aus der ÖDP ausgetreten sei. Ihm sei ein kleiner konventioneller Landwirt genauso recht. Er warnte vor einer Naturschutzpolitik, die kleine Betriebe gefährde. Wenn wir die Leute nicht mehr haben, die Böden vor Ort bewirtschaften, haben wir keine Bodenbindung mehr. Mit jedem Betrieb der verloren geht, verliert auch die Artenvielfalt. Große Sorge bereite ihm die Entsolidarisierung des Berufsstandes.

Eindrücklich fasste BDM Mitglied Josef Taffertshofer, bei der Diskussion mit dem Publikum die Gefühlslage der Landwirtschaft zusammen. Die Landwirte fühlen sich mit dem Rücken an die Wand gedrängt. Die Artenschutzdiskussion, seit Jahrzehnten mangelnde gesellschaftliche Anerkennung, miserable Preise, überregionale Regeln, die regional schlecht angewendet werden können, immer neue Verordnungen, die zu Umbaumaßnahmen, Anschaffungen und Bürokratie-Aufwand führen, seien zermürbend. Das von der ÖDP initiierte Volksbegehren Artenvielfalt kommt nun hinzu. Die Hemmschwelle mit der Landwirtschaft aufzuhören sinke dadurch erheblich.

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