HE: BDM trifft stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Schäfer-Gümbel

Im Zeichen der langandauernden Dürre-Periode trafen sich Vertreter des BDM-Landesteams Hessen mit dem SPD-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Hessen und stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Sozialdemokraten, Thorsten Schäfer-Gümbel in Gießen. Wiederaufgenommen wurde damit der Dialog, der beim Besuch Schäfer-Gümbels bei BDM-Milchviehhalter Christian Schmidt vor wenigen Wochen in Schotten begonnen wurde.

Zentrales Thema war auch im Folgegespräch der Umgang mit den Folgen der Dürre: Schnell war man sich einig, dass die außergewöhnliche Trockenperiode staatliche Hilfen erfordere, diese allerdings möglichst zielgenau nur an die betroffenen Betriebe ausbezahlt werden sollten. Ebenso müsse darauf geachtet werden, dass die Hilfsmittel zum Zukauf von Futtermittel möglichst ohne zeitlich aufwändige Prüfungen von Statten gehen, so die BDM-Milchviehhalter. Grundsätzlich müsse allerdings Ziel sein, dass die Erlöse der Milchproduktion ausreichen, um auch extreme Witterungsumstände und eine Missernte durchstehen zu können.
Hierzu sei es erste Aufgabe der Politik, den Milchmarkt so zu gestalten, dass wiederkehrende Marktkrisen verhindert werden könnten. Die vergangenen Krisen hätten gezeigt, dass diese oft entstanden seien durch eine, über die wertschöpfungsstarke Nachfrage hinausgehende Milchproduktion. Hier ließ sich Thorsten Schäfer-Gümbel ausführlich das BDM-Krisenmanagementmodell erläutern und lobte den Entwurf, der unternehmerische Freiheit mit dem Schutz vor existenzbedrohenden Milchmarktkrisen kombiniere, ausdrücklich. Ebenso versprach Schäfer-Gümbel das Thema in nächster Zeit im SPD-Bundesvorstand zu thematisieren, um die Aktivität der Bundesregierung zu diesem Thema anzuregen.
Im Zuge dieses Diskussionspunktes betonten die Milchviehhalter, dass die aktuelle Landwirtschaftspolitik schon ein Stück aus dem Tollhaus darstelle. Anstelle für ordentliche und kostendeckende Erlöse von landwirtschaftlichen Produkten durch eine vernünftige Marktgestaltung zu sorgen, würden seit Jahren Milliardensummen an Steuergeldern verteilt, um die Höfe somit – mehr schlecht als recht – „über die Runden zu bringen.“ Zwar sei ein Sockelbetrag an Förderung für die öffentlichen Leistungen, die die Landwirtschaft beispielsweise in der Landschaftspflege und im Umweltschutz erbringe nötig, die Alimentierung der Landwirtschaft aus Gründen von strukturellem Marktversagen sei allerdings weder für die Steuerzahler noch die Landwirte zukunftsweisend. Gerade die Betriebe mit tierischer Produktion seien auf ein intaktes Marktumfeld, welches permanente Überproduktion verhindere, angewiesen, so Christian Schmidt zu Thorsten Schäfer-Gümbel, der sich der Argumentation weitgehend anschloss.
Konsens konnten Schmidt und Schäfer-Gümbel bei der Forderung erzielen, dass eine bodengebundene Landwirtschaft der Schlüssel zu einem verbesserten Umwelt- und Naturschutz und einem besseren Verhältnis zwischen Verbrauchern und Landwirtschaft sei. Tierbesatzdichten, die deutlich über ein normales Maß hinausgingen, führten langfristig zu einer Überdüngung der Böden und zu Imageproblemen der Landwirtschaft. Ebenso schloss sich der hessische SPD-Vorsitzende, der sich aktuell um das Amt des hessischen Ministerpräsidenten bewirbt, den Forderungen der Milchviehhalter an die Milchindustrie an, nicht nur den Export von Standardprodukten zur Steigerung des Weltmarktanteils im Auge zu haben. Gerade der Export von billigen Milchprodukten in Schwellen- und Entwicklungsländer berge die Gefahr, dort einheimische Strukturen zu zerstören und damit die Landflucht zu begünstigen.
Zum Abschluss des gut eineinhalbstündigen Gesprächs sicherte Schäfer-Gümbel zu, sich nach der Befassung des SPD-Vorstands mit dem Milchmarkt wieder mit dem BDM an einen Tisch zu setzen um auch weiterhin für eine Zukunftsperspektive mittelständischer Milchviehbetriebe einzusetzen.

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