Mit modernen Konzepten in die Zukunft – aufschlussreiche Vorträge bei BDM-Versammlung in Cham

Von aktuellen Milchmarkt-Analysen zum Fachvortrag zu modernem Herdenmanagement – die BDM-Versammlung am 9.3. im Hotel Regenbogen in Cham bot ein umfassendes Informations- und Diskussionsangebot für die versammelten Verbandsmitglieder. Auch Ehrengäste wie Chams Landwirtschaftsamtsdirektor Dr. Thomas Nibler und der 2. Bürgermeister Walter Dendorfer waren vor Ort. Ihre Aufmerksamkeit galt den Referenten: BDM-Kreisvorstand Roland Decker, BDM-Bundesvorstand Manfred Gilch, sowie dem smaXtec-Vertreter Ahmet Calik.

Zu Beginn des Abends blickte Roland Decker stolz auf die Anfänge des BDM im Landkreis Cham zurück. Seit 20 Jahren sei der BDM dort aktiv – und trotz des andauernden Milchbauern-Rückgangs in dieser Zeit haben die BDM-Mitglieder immer wieder in gemeinsamen Aktionen ihr Engagement dafür bewiesen, faire Verhältnisse auf dem Milchmarkt zu schaffen.

Im Anschluss gab Manfred Gilch als BDM-Bundesvorstand umfassende Einblicke und Analysen in aktuelle Geschehnisse auf dem Milchmarkt. Er legte Konzepte dar, die der BDM zur Verbesserung der Milchmarkt-Situation einfordert. Zunächst betonte Gilch als oberstes Ziel, dass Milchviehhaltern mehr Verantwortung zugestanden werden müsse, sodass sie als vollwertige Unternehmer auf dem Markt agieren können. Die Preise, die Milchviehhalter für ihre gelieferte Milch bekommen, seien seit Juni 2025 rückläufig, und sie selbst haben keinerlei Instrumente in der Hand, etwas an den Milchpreisen zu ändern. Eine mögliche Lösung für diese schwache Marktstellung der Bauern stellt die Vertragspflicht nach Artikel 148 GMO dar. Dieser stand ganz aktuell im Mittelpunkt von Trilog-Verhandlungen in der EU, was der BDM laut Gilch grundsätzlich begrüße. Allerdings sei der aktuelle Beschluss unzureichend, da er Genossenschaften aus der Vertragspflicht ausnehmen würde. Diese machen mit etwa 70% einen beträchtlichen Teil der Molkereien in Deutschland aus und dürften daher auf keinen Fall aus der Vertragspflicht ausgenommen werden, wenn daraus wirklich positive Effekte für die Marktverhältnisse hervorgehen sollen. Aktuell sei noch unklar, inwieweit der kommende Gesetzestext Genossenschaften mit in die Vertragspflicht miteinbeziehen wird.

Neben dem Recht für die Bauern, bei dem Abnahmepreis für ihre Milch mitzubestimmen – wie Gilch in seinem Vortrag klarstellte – ist es wichtig, die gesamte Marktentwicklung besser im Blick zu haben, um bevorstehenden Krisen frühzeitig entgegenwirken zu können. Der BDM hat dazu ein Marktkrisenmanagement-Konzept entwickelt, dem ein Marktindex zugrunde liegt, in den verschiedene Börsenwerte und Kostenentwicklungen einfließen. Sobald der Index vom Normalwert abweicht, würde dem Konzept nach eine Frühwarnung über die EU-Monitoring-Stelle ausgerufen werden, die Landwirte davor warnt, dass sie bei Ausweitung ihrer Menge zur Verantwortung gezogen werden können. In der aktuellen Milchkrise wäre diese Frühwarnung bereits Anfang August 2025 nötig gewesen, um der Krise vorzubeugen. Da dies nicht geschehen ist, ist die Menge immer weiter gestiegen und der Preis gesunken. Die nächste Stufe des BDM-Konzepts sieht vor, eine effiziente Maßnahme zu aktivieren, um aus dieser Krise wieder herauszukommen: der freiwillige Lieferverzicht gegen Entschädigung (Artikel 219 GMO). Wäre dieser bereits im Herbst 2025 gezogen worden, hätte man die enormen finanziellen Schäden für Milchbauern eindämmen können.

Gilch betonte zum Abschluss seines Vortrags, wie wichtig es ist, nicht locker zu lassen und uns für unsere Forderungen in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik starkzumachen – die nächste Möglichkeit dafür ist die Agrarministerkonferenz vom 18. bis 20. Mai in Bad Reichenhall, wo der BDM mit einer Protestaktion auf die ungerechten Marktverhältnisse aufmerksam machen wird (alle Interessierten sind eingeladen, sich der BDM-Aktion anzuschließen!).

In seinem Gastreferat stellte Ahmet Calik die besonderen Technologien von smaXtec zum modernen Herdenmanagement vor. Die Einzigartigkeit besteht in dem kleinen zylinderförmigen Bolus, der mit einem Sensor versehen und in den Netzmagen der Kühe eingeführt wird. Diese in-vivo Technologie ermöglicht eine spezifische Messung der inneren Körpertemperatur – was als „Goldstandard“ im Gesundheitsmonitoring gilt, so der smaXtec Vertreter. Des weiteren werden mithilfe des Sensors Wiederkau- und Bewegungsaktivitäten sowie Trinkzyklen und Trinkmenge aufgezeichnet – Faktoren, die maßgeblich für die Gesundheit der Tiere sind. All diese Werte werden zu einem Index zusammengeführt, der Brunst- und Veränderungen im Gesundheitszustand des Tieres frühzeitig erkennbar macht. In der Praxis erleichtern diese Prognosen für den Landwirt die ideale Bestimmung des Besamungszeitraums – dieser wird, ebenso wie der Zeitpunkt der Abkalbung, von der smaXtec Software berechnet. Auch Stoffwechselkrankheiten wie Ketose und Milchfieber können durch die smaXtec-Technologie früher erkannt werden als mit herkömmlichen Herdenmanagement-Systemen.

Zum Abschluss der Versammlung stellte Chams Landwirtschaftsamtsdirektor Dr. Nibler kurz seine Sicht zu der aktuellen Marktstellung der Milchbauern dar. Er hob hervor, wie bereichernd und interessant er die Vorträge fand und stimmt dem BDM darin zu, dass die Milchmenge auf dem Markt reduziert werden müsse. Ihm als „Exekutive“ seien da allerdings die Hände gebunden; hier müsse die Legislative, also die Politik, ins Handeln kommen, so Dr. Nibler.