Am 15. August veranstaltete das Kreisteam Roth/Neumarkt des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM) einen Rundgang um den imposanten Betrieb der Familie Braun in Hermannsberg (Berching). Im Anschluss an die Hofführung warf BDM-Vorstand Manfred Gilch einen Blick auf die aktuelle Lage am Milchmarkt. Er gab auch eine Einschätzung dazu ab, in welcher brenzlichen Lage sich die Landwirte angesichts der anhaltenden Trockenheit befinden.
Stallbesichtigung mit gemütlichem Grillmittag in der Oberpfalz

Das Betriebsgelände der Familie Braun in Hermannsberg, auf dem die BDM-Veranstaltung stattfand, befindet sich außerhalb des Dorfes, von Feldern umgeben. Betriebsleiter Stefan Braun, der den Hof von seinem Vater Anton übernommen hat, stellt die Betriebsentwicklung anhand der getroffenen Baumaßnahmen der vergangenen Jahre dar. Bis 2017 sei der Betrieb mit Anbindestall im Dorfinneren geführt worden, bis dann die Entscheidung zur Aussiedelung getroffen wurde. Ein neuer Milchviehstall mit Platz für 90 Kühe wurde gebaut, dazu die Fahrsilos und Güllegrube. Beim Melksystem haben sich die Brauns für einen GEA-Doppel 8er Fischgrätenmelkstand entschieden. Über einen Laufhof im Außenbereich werden die Kühe mit einem speziellen Gülleschiebegatter automatisch zum Melkstand geleitet. Damit ist er bisher sehr zufrieden, wobei die Entwicklung in der Zukunft seiner Ansicht nach hin zu Melkrobotern gehen werde, vor allem dann, wenn das Personal knapp wird.
Sehr interessiert lauschten die Besucher, als Braun über die Erfahrungen aus seinen Stallbauten berichtete: Statt klassischen Spalten hat er sich für planbefestigten Bodenbelag entschieden, dessen schmale Rillen für trockene Klauen der Kühe sorgen. Mit den Hochliegeboxen ist er nicht ganz so zufrieden, denn hier muss sich Stefan Braun schon über die ersten kaputten Gewebe ärgern. „Vielleicht werden wir die kaputten Matratzen demnächst mit einem Wasserbett ersetzen.“ Heute würde er lieber auf Tiefboxen setzen, auch wenn deren Pflege mehr Aufwand in Anspruch nimmt. Eine weitere Besonderheit des Stalls ist der am Fressgitter entlang angebrachte Spritzschlauch, der die Kühe bei warmen Temperaturen mit einer mehrstündigen Abkühlung verwöhnt.
2020 folgte der nächste Bauschritt: die Erweiterung mit neuem Jungviehstallanbau. Bei der Kälberhaltung setzt Braun auf eine Kombination aus Einzel- und Gruppenhaltung. Die Milch für die Kälber säuert er in der Regel an, was das Wachstum schädlicher Bakterien hemmt. Im Jahr 2024 krönte die nagelneue 1000m2 große Maschinenhalle den Betrieb, in der die Besucher nach der Stallbesichtigung gemütlich beisammensaßen. Sie widmeten ihre Aufmerksamkeit der Präsentation von Gilch, der zunächst den Mut und Fleiß der Familie Braun lobte, einen derartigen Vorzeigebetrieb erschaffen zu haben, bevor er einen Blick auf die diesjährigen Aktivitäten des BDM und die aktuell weiterhin zugespitzte Lage am Milchmarkt wirft. Gilch stellt auch fest, dass die Politikresignation in der Bevölkerung mittlerweile relativ groß sei. Umso wichtiger sei es, öffentlich für seine Überzeugungen zu kämpfen. Der BDM lässt daher nicht locker und setzt klare Zeichen in der Öffentlichkeit, die die Politik unter Druck setzen, wie zum Beispiel mit der Milchsprühaktion zum Weltmilchtag in Ostfriesland oder dem Symbolbild des Scherbenhaufens vor dem Bundeskanzleramt.
Anhand von Zahlen stellte Gilch im Vortrag dar, dass der globale Markt unter Druck stehe, was auch noch eine Weile anhalten werde, da die Überproduktion einfach über einen zu langen Zeitraum angehalten habe. Aktuelle Notlagen ausschließlich mit Dünge- oder Dürrebeihilfen zu lösen, halte der BDM für den falschen Ansatz, so Gilch. „Dadurch werden die Probleme nur zugedeckt, aber nicht nachhaltig gelöst.“ Stattdessen kämpfe der BDM stets für Marktlösungen, die dem Bauern auf lange Sicht durch faire Preise mehr Stabilität geben. Auch Überraschungsgast Hans Foldenauer, BDM-Vorstandssprecher aus dem Allgäu, hob in seinem Grußwort hervor, dass es statt finanzieller Hilfsprogramme in Notlagen Lösungen braucht, die langfristig und nachhaltig wirken.
Abschließend bedankte sich das BDM Kreisteam Roth/Neumarkt bei der Familie Braun für die bereichernde Betriebsbesichtigung. Gilch übergab der Familie als Geschenk Blumensträuße und eine „Faironika“.






