20 Jahre European Milk Board (EMB): Starke Stimme der Milcherzeuger in Europa

EMB feiert Jubiläum in Italien – Milchsektor erneut unter großem Druck

Brüssel / Montichiari – Das European Milk Board (EMB) feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Im Rahmen der Mitgliederversammlung in Italien kommen Milcherzeugerinnen und Milcherzeuger aus zahlreichen europäischen Ländern zusammen, um gemeinsam auf zwei Jahrzehnte Einsatz für faire Bedingungen im Milchsektor zurückzublicken.

Seit seiner Gründung hat sich das EMB als unabhängige und starke Stimme der Milcherzeuger in Europa etabliert. Was vor 20 Jahren als mutige Initiative von Milchbäuerinnen und -bauern begann, ist heute eine wichtige politische Kraft auf europäischer Ebene. „20 Jahre EMB zeigen, dass Erzeuger gemeinsam etwas bewegen können. Viele wichtige Themen, die heute auf europäischer Ebene diskutiert werden, wären ohne den Druck und die Arbeit des EMB nie so weit gekommen“, erklärt EMB-Präsident Kjartan Poulsen.

Zahlreiche politische Erfolge

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat das EMB zahlreiche Entwicklungen und politische Debatten aktiv mitgestaltet. Dazu gehören unter anderem:

  • die europaweiten Milchstreiks und Protestaktionen in den Jahren 2008 und 2009
  • die stärkere Sichtbarkeit der Situation der Milcherzeuger in Brüssel
  • die Einführung der europäischen Milk Market Observatory
  • die Etablierung wissenschaftlicher Produktionskostenberechnungen
  • die Verankerung des freiwilligen Lieferverzichts als Kriseninstrument
  • Fortschritte bei der Bündelung von Erzeugern
  • verbindliche Verträge im Milchsektor
  • sowie die kontinuierliche Arbeit gegen unfaire Handelspraktiken (UTP).

Auch das Projekt „Faire Milch“ gilt als wichtiges Signal für faire Marktbedingungen und zeigt, dass eine bessere Wertschätzung der Erzeuger kein Ding der Unmöglichkeit mehr ist. „Die Faire Milch hat gezeigt, dass Verbraucher bereit sind, faire Landwirtschaft zu unterstützen und dass faire Preise am Markt möglich sind“, betont EMB-Vizepräsident Boris Gondouin.

Die verschiedenen Projekte der Fairen Milch in Europa gelten inzwischen als herausragende Beispiele für Eigeninitiative, Innovationskraft und Solidarität der Milcherzeuger. Sie verbinden qualitativ hochwertige regionale Produkte mit fairer Vergütung der Erzeuger und schaffen gleichzeitig eine direkte Verbindung zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern. Für das EMB sind die Projekte der Fairen Milch ein starkes positives Signal dafür, dass bäuerliche Landwirtschaft auch in schwierigen Zeiten moderne und erfolgreiche Zukunftsmodelle entwickeln kann.

Schwierige aktuelle Lage im Milchsektor

Trotz des Jubiläums steht der europäische Milchsektor aktuell erneut unter großem Druck. Weltweit steigende Milchmengen, sinkende Preise und hohe Produktionskosten sorgen in vielen Ländern für massive wirtschaftliche Probleme auf den Betrieben. Das EMB warnt deshalb vor einem weiteren Preisverfall und fordert erneut die Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts auf europäischer Ebene. „Die aktuelle Situation zeigt erneut, dass Europa funktionierende Marktinstrumente braucht. Der freiwillige Lieferverzicht ist kein theoretisches Konzept, sondern ein notwendiges Instrument zur Stabilisierung des Milchmarktes in Krisenzeiten“, so Kjartan Poulsen. Das EMB kritisiert, dass wichtige Mitgliedstaaten und Teile der Europäischen Kommission weiterhin zögern, geeignete Maßnahmen zu aktivieren.

EMB bleibt notwendige Stimme der Erzeuger

Aus Sicht des EMB ist eine unabhängige Vertretung der Milcherzeuger auf europäischer Ebene wichtiger denn je. Die Herausforderungen für die Landwirtschaft wachsen: volatile Märkte, steigende Produktionskosten, hoher Investitionsdruck und fehlende Planungssicherheit. „Wer Ernährungssicherheit und eine Zukunft für junge Landwirte will, muss auch wirtschaftlich tragfähige Bedingungen für Milcherzeuger schaffen“, erklärt Boris Gondouin. Auch in Zukunft will das EMB deshalb weiter für faire Preise und stabile Marktbedingungen kämpfen. „Die vergangenen 20 Jahre waren nicht einfach – aber sie haben gezeigt, dass Engagement, Solidarität und europäische Zusammenarbeit etwas verändern können“, fasst Kjartan Poulsen zusammen. „Ein Dankeschön an alle Kämpfer und Mitstreiter, die in diesen 20 Jahren so viel Energie und Arbeit in das EMB gesteckt haben, so dass man gemeinsam viel erreichen konnte. In diesem Zusammenhang auch ein herzliches Dankeschön an die ehemaligen Vorsitzenden Romuald Schaber, Erwin Schöpges und Sieta van Keimpema. Wir freuen uns besonders, dass sie auch bei der 20 Jahrfeier in Italien dabei sind.“

Vielen Dank an Gründungs- und Gastgeberland Italien

Das EMB bedankt sich zudem herzlich bei den italienischen Gastgebern der APL für die Organisation der Jubiläumsveranstaltung und die große Gastfreundschaft. Die Mitgliederversammlung und die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des EMB bieten einen wichtigen Rahmen für Austausch, europäische Solidarität und gemeinsame Perspektiven für die Zukunft des Milchsektors. „Es ist etwas Besonderes, dieses Jubiläum gemeinsam mit so vielen Erzeugerinnen und Erzeugern aus ganz Europa im EMB-Gründungsland Italien feiern zu können. Unser Dank gilt allen Organisatoren und Beteiligten vor Ort“, erklärt Kjartan Poulsen.

-> Zur EMB Pressemitteilung

https://www.europeanmilkboard.org/de/news/news-details/20-years-of-the-european-milk-board-a-strong-voice-for-milk-producers-in-europe-2791.html