25 % Kostenunterdeckung und kein Ende: Milcherzeuger zahlen Energiekrise doppelt

Die aktuellen Berechnungen der Milcherzeugungskosten zeigen eine dramatische Schieflage: Bei einem durchschnittlichen Milcherzeugerpreis von 39,43 Cent pro Kilogramm Milch liegt die Unterdeckung der Kosten derzeit bei rund 25 Prozent. Den Erlösen stehen Produktionskosten von 52,58 Cent/kg (Stand: Januar 2026) gegenüber – ein Fehlbetrag von über 13 Cent je Kilogramm. Für viele Milchviehbetriebe bedeutet das bereits jetzt erhebliche Liquiditätsprobleme.

Diese strukturelle Unterdeckung verschärft sich aktuell massiv. Innerhalb weniger Wochen sind Energie- und Düngerkosten sprunghaft gestiegen und treiben zahlreiche Betriebe an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Die bestehende Kostenlücke droht sich weiter zu vergrößern und entwickelt sich zunehmend zu einer existenziellen Bedrohung für die Milcherzeuger.

„Die 25 % Kostenunterdeckung zeigen klar: Die Milchviehhalter arbeiten längst nicht mehr kostendeckend. Jeder weitere Kostenanstieg trifft auf ein System, das bereits im Defizit ist“, stellt BDM-Vorsitzender Karsten Hansen fest. Die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung, wie die Absenkung der Energiesteuer, seien ein Schritt, reichten aber bei weitem nicht aus, um die strukturelle Schieflage zu beheben.
Besonders gravierend ist dabei die doppelte Belastung durch die Energiepreiskrise: Milcherzeuger tragen die steigenden Kosten zunächst direkt über teurere Betriebsmittel wie Strom, Diesel und Dünger. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass auch die gestiegenen Kosten der Molkereien durch sinkende Milchauszahlungspreise an die Erzeuger weitergegeben werden.

„Die Milcherzeuger zahlen die Energiekrise gleich doppelt – zuerst über explodierende Produktionskosten und anschließend über den Milchpreis. Diese doppelte Belastung ist für viele Betriebe nicht mehr tragbar“, so Hansen. „Wir haben bereits im September 2025 auf die sich abzeichnende Milchmarktkrise hingewiesen und mussten feststellen, dass die Lobbyisten der Milch- und Ernährungsindustrie mit der immer gleichen Taktik ein wirksames und vor allem rechtzeitiges Krisenmanagement ausgebremst haben: Krise leugnen, Krise verharmlosen, eine vermeintliche Markterholung in Aussicht stellen, während die Marktkrise die Bauern noch Monate trifft.“

Auch wenn anzuerkennen ist, dass die Bundesregierung für die Energiepreisentwicklung keine Verantwortung trägt und mit Entlastungsmaßnahmen reagiert, liegt das eigentliche Problem tiefer: Die Explosion der Energiekosten trifft auf eine bereits desolate Marktsituation. Für diese strukturelle Schieflage – geprägt von anhaltend nicht kostendeckenden Milchpreisen – trägt die Politik die Verantwortung und hat es bislang versäumt, wirksame Marktmaßnahmen zu ergreifen. Trotz vorhandener Instrumente auf EU-Ebene wurden bislang keine wirksamen Maßnahmen zur Stabilisierung des Milchmarktes ergriffen. Die daraus entstandenen Verluste summieren sich bereits auf Milliardenhöhe und werden sich innerhalb eines Milchwirtschaftsjahres auf rund fünf Milliarden Euro belaufen.

Der BDM fordert daher entschlossenes politisches Handeln: Neben kurzfristigen Entlastungen bei den Energiepreisen braucht es vor allem wirksame Maßnahmen zur Stabilisierung des Milchmarktes und zur Sicherstellung kostendeckender Erzeugerpreise.
„Die Betriebe brauchen keine Symbolpolitik, sondern echte Lösungen. Solange eine Kostenunterdeckung von 25 % und mehr besteht und die Erzeuger zusätzlich doppelt belastet werden, steuern wir sehenden Auges auf weitere Betriebsaufgaben zu“, warnt Hansen.

Infomaterial

Informationen und Inhalte zum herunterladen.