Edeka bekommt Zorn der Bäuerinnen und Bauern zu spüren

Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Regionalgesellschaft Edeka Minden-Hannover versprach Edeka in einem Slogan die niedrigsten Preise für die Verbraucher in Essen/Oldenburg.
„Dass der Slogan „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten“ nicht nur leicht misszuverstehen ist, sondern auch davon unbenommen eine fehlende Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln zum Ausdruck bringt und damit den Zorn der Bäuerinnen und Bauern erregt, hatten die Marketingstrategen offenbar nicht auf dem Plan“, stellt BDM-Vorsitzender Stefan Mann fest.

Mit rund 250 Schleppern legten Bäuerinnen und Bauern das Edeka-Zentrallager Nordwest in Neuenkruge stundenlang lahm und protestierten so gegen die Verwendung von Nahrungsmittel als Lockmittel in die Supermärkte und Discounter. Die Demonstranten drohten im Wiederholungsfall auch wieder vor den Toren zu stehen.

Nach Ansicht des BDM muss der Billigpreisstrategie für Lebensmittel auf allen Ebenen ein Ende gesetzt werden. „Zuerst gefordert ist dabei die Molkerei- und Fleischindustrie, denn sie ermöglichen durch niedrigste Abgabepreise für Milch- und Fleischprodukte dem Handel erst, diese so billig anzubieten“, kritisiert Stefan Mann. „Das hat dazu geführt, dass das Bundeskartellamt bisher nicht einschreiten musste, da in allen bisherigen Untersuchungen dem Handel kein einziger Verstoß gegen das Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis zur Last gelegt werden konnte.“

Eine ganz wesentliche Ursache für die Billigstpreise für Lebensmittel liegt in der Ausrichtung der AgrarMarktpolitik auf eine kontinuierliche Leistungssteigerung der gesamten Landwirtschaft zu möglichst billigen Preisen, um die Ernährungsindustrie mit günstigen Rohstoffen international wettbewerbsfähig zu machen. Diese politische Ausrichtung geht voll zu Lasten der landwirtschaftlichen Betriebe und wird in Deutschland bisher nicht hinterfragt. „Im Gegenteil – man steht voll hinter dieser Ausrichtung und bestätigt sie immer wieder aufs Neue. Damit trägt die Regierung eine deutliche Mitverantwortung dafür, dass die Landwirtschaft mit dem Rücken zur Wand steht“, erklärt Stefan Mann. „Wenn ausgerechnet die Politik die Schuld oder Verantwortung beim Lebensmitteleinzelhandel oder dem Verbraucher sucht, ist das ein mehr als kläglicher Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken.“
„Wir haben kein Marktversagen, wir haben ein Politikversagen, das für die strukturellen Probleme in der Landwirtschaft ebenso verantwortlich ist, wie für die Überkapazitäten und Dumpingmethoden auf den globalen Märkten“, betont Stefan Mann.

Das von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Agrarministerin Julia Klöckner angekündigte und offenbar für nächste Woche terminierte Gespräch mit Vertretern des LEH sollte aus Sicht des BDM dazu beitragen, die eigentlichen Ursachen für die wirtschaftlich katastrophale Situation der Landwirtschaft zu benennen.

Der BDM erwartet vom Handel darüber hinaus aber einen Verzicht auf die ständige Verwendung von Lebensmitteln als Lockvogelangebote. Auch wenn es verlockend ist, die Käufer mit Angeboten für die so genannten „fast moving consumer goods“, also Produkte für den täglichen oder häufigen Bedarf, zu denen die Lebensmittel zählen, in die Geschäfte zu locken, darf dies nicht dazu führen, dass das Niedrigpreisniveau wegen wiederholten und fast dauerhaften Angeboten als „normal“ empfunden wird und sich damit quasi zementiert. Angebote dürfen nur die echte Ausnahme sein und nicht die Regel.
„Wer sich ebenfalls nicht aus der Verantwortung mogeln kann, sind die Molkerei- und Schlachtunternehmen, die vor allem auf Auslastung und Menge setzen und damit das Verramschen unserer Agrarprodukte ermöglichen. Wenn man ehrlich ist, müsste man eigentlich genauso vor deren Toren stehen“, unterstreicht BDM-Vorsitzender Mann.

 

Foto: Frauke Bielefeld

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