Katastrophale Preisentwicklungen setzen Mensch und Tier unter Druck – GAP-Diskussion bietet Möglichkeit der Veränderung

Die Situation, in der sich die Milchviehhalter befinden, kann nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. nur als Dauerkrise bezeichnet werden.

Traktor auf Wiese

Unterdurchschnittliche Erntemengen im Getreidebereich, eine unter dem Vorjahr liegende Milchanlieferung, trotzdem deutlich niedrigere Milcherzeugerpreise und gleichzeitig Preise für Kälber und Schlachtrinder, die als unterirdisch zu bezeichnen sind.

„Mit einem Milcherzeugerpreis von aktuell rund 33 Cent/kg Milch, Tendenz weiter fallend, liegen wir deutlich unter dem Vorjahresniveau und weit entfernt von einer Deckung der Vollkosten, die bei rund 43 Ct/kg läge. Von Gewinnen, mit denen wir unsere Betriebe nachhaltig weiterentwickeln können, sind wir meilenweit entfernt“, stellt BDM-Vorsitzender Stefan Mann fest. „Wenn man beispielsweise für ein völlig gesundes Kalb mit Glück noch 50 Euro erlösen kann bzw. in einigen Fällen beim Verkauf mit Gebühren sogar noch draufzahlt, zeigt das eine Schieflage des Marktes, die dramatisch ist.“

Stefan Mann„Wenn Lebewesen nur noch billige Agrarrohstoffe sein sollen oder liefern sollen, und nur die Ernährungsindustrie und der Handel in diesem Spiel Gewinne machen, sollte doch auch der Letzte begreifen, dass die bisherige Grundausrichtung der Agrarmarktpolitik auf „Immer billiger, immer mehr“ überdacht und dringend geändert werden muss“, betont Stefan Mann weiter.

„Wir sollen und wollen in das Wohl unserer Tiere weiter investieren, gleichzeitig ist das Tier selbst aber nicht mehr als eine Tankfüllung wert. Das passt überhaupt nicht zusammen und ist ein eindringliches Zeichen, wie hoch der Marktdruck bereits ist. Die Schizophrenie, dass die Politik regional mehr Maßnahmen für Artenvielfalt, Tierwohl, Klima- und Gewässerschutz einfordert, aber auf globaler Ebene den Markt mit Freihandelsabkommen wie Mercosur weiter öffnet und noch stärker unter Druck setzt, baden am Ende voll die Landwirte aus“, kritisiert der BDM-Vorsitzende.

Die aktuell laufende Diskussion der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik GAP 2020 bietet nach Ansicht des BDM ganz konkret die Möglichkeit,  daran etwas zu ändern – vorausgesetzt man beschränkt die GAP-Diskussion nicht zum wiederholten Male alleine auf die Gestaltung der Zahlung von Agrargeldern. Als Teil der GAP 2020 müssen Veränderungen in der Ausgestaltung der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) vorgenommen werden, so dass die Milchviehhalter ihr Einkommen hauptsächlich über ihr Produkt und den Markt erzielen können. Ein erster wichtiger Schritt wäre die Weiterentwicklung des EU-Sicherheitsnetzes um wirkungsvolle Krisenmanagement-Instrumente, weitere wichtige Schritte die Verbesserung der Marktstellung und Marktteilhabe der Milchviehhalter. Der BDM hat die nötigen Instrumente und Maßnahmen dafür in seiner BDM-Sektorstrategie 2030 näher beschrieben.

Ein weiterer Vorteil: Wenn die Agrargelder nicht mehr im Wesentlichen zur Einkommensstützung verwendet werden müssen, können die ohnehin knapper werdenden Agrargelder zielgerichtet und mit mehr Wirkungskraft für die Erreichung wichtiger gesellschaftlicher Ziele eingesetzt werden.

Menü