Milchmarktkrise endlich im Fokus des EU-Agrarausschusses – BDM fordert sofort wirksame Krisenmaßnahmen

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM) begrüßt, dass der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments die aktuelle Situation am Milchmarkt auf die Tagesordnung setzt. Auf Initiative von Thomas Waitz (Agrarsprecher der Grünen) wurde beschlossen, in einer der nächsten Sitzungen eine Vertreterin oder einen Vertreter der Europäischen Kommission in eine der kommenden Sitzungen einzuladen, um über den EU-Milchmarkt und die anhaltend niedrigen Milcherzeugerpreise in den Mitgliedstaaten zu diskutieren.

„Es ist höchste Zeit, dass die angespannte wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe auf europäischer Ebene ernsthaft thematisiert wird“, erklärt BDM-Vorsitzender Karsten Hansen. „Viele Betriebe arbeiten seit Monaten unter massiver Kostenunterdeckung. Von den seitens Milch-Marker-Index aktuell nach offiziellen INLB-Daten der EU-Kommission berechneten Erzeugungskosten von 53,73 ct/kg Milch im Bundesschnitt, erhalten die Kollegen in Norddeutschland bei Viöl (SH) im Januar gerade mal 25ct/kg, im Süden bei der Hohenloher Molkerei (BW) 30,46 ct/kg. Von einer stabilen Marktlage kann aus Sicht der Erzeuger keine Rede sein, die Situation ist ein Desaster. Bei einem Betrieb mit 100 Kühen und 30 kg Tagesleistung führen 20 ct/kg Kostenunterdeckung im Monat zu 18.000 Euro Verlust!“

Die Europäische Kommission verweist bislang darauf, dass perspektivisch mit einer steigenden Nachfrage nach Milchprodukten zu rechnen sei und daher keine strukturelle Krise vorliege. Der BDM hält diese Einschätzung für realitätsfern. Steigende Nachfrageprognosen lösen weder akute Liquiditätsengpässe noch decken sie die laufenden Produktionskosten der Betriebe.

Freiwilligen Lieferverzicht jetzt aktivieren

Aus Sicht des BDM muss jetzt umgehend der Freiwillige Lieferverzicht gegen Entschädigung auf EU-Ebene aktiviert werden. Dieses Instrument hat bereits 2016/2017 gezeigt, dass es kurzfristig wirksam, auf freiwilliger Basis, marktkonform und bürokratiearm Angebot und Nachfrage schneller wieder in ein Gleichgewicht bringen kann. Eine zeitlich befristete, freiwillige Mengenreduzierung mit finanzieller Kompensation ist das geeignete Mittel, um einen weiteren Preisverfall zu stoppen und die nötige Markterholung zu beschleunigen.

Der BDM fordert daher:

  • eine realistische Bewertung der Marktsituation unter Einbeziehung der tatsächlichen Erzeugerkosten,
  •  sowie die direkte Beteiligung von Milcherzeugerinnen und Milcherzeugern an der Ausschussanhörung
  • die sofortige Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts gegen Entschädigung,

„Es reicht nicht, wenn ausschließlich die Sicht der Kommission dargestellt wird. Die Betroffenen selbst müssen im Ausschuss zu Wort kommen, denn sie sind es die das Marktrisiko tragen müssen. Gleichzeitig brauchen wir jetzt konkrete Maßnahmen – nicht erst dann, wenn noch mehr Betriebe aufgegeben haben. Ja, der Markt wird sich irgendwann wegen zurückgehender Anlieferungsmengen bereinigen, aber diese Art der Marktbereinigung hat Betriebsaufgaben und strukturell geschwächte, verschuldete Betriebe zur Folge. Für potenzielle Hofnachfolger eine höchst unattraktive Ausgangslage“, kritisiert der BDM-Vorsitzende. „Wenn wir die die Überalterung in der Landwirtschaft bekämpfen und Landwirtschaft für unsere Nachfolger interessant machen wollen, dann ist das wirksamste Mittel, den jungen Landwirten eine echte wirtschaftliche Perspektive zu geben. Das geht nicht mit dem Aussitzen von Krisen oder allein mit einer Junglandwirteförderung.“

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