Anlässlich der jüngsten Äußerungen u.a. beim Milchgipfel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMELH) sowie bei einem Gespräch im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus weist der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) die erneuten Schuldzuweisungen an die Milcherzeuger entschieden zurück.
Milchmarktkrise: Schuldzuweisungen statt wirksame Lösungen

„An der neuerlich wieder eingetretenen Milchmarktkrise sind die Milcherzeuger doch selbst schuld, sie haben doch die Mehrmilch gemolken!“ – dieser Vorwurf wird in gewohnter Einigkeit von Molkereiwirtschaftsverbänden, Bauernverband und unionsgeführten Agrarministerien vorgetragen. Über bloße Appelle solle man die Erzeuger animieren, weniger Milch anzuliefern.

„Um den mit diesem Aussitzen einhergehenden Einkommensverlusten zumindest mit einer kleinen Liquiditätsreserve begegnen zu können, sind wir einzelbetrieblich gezwungen, in Phasen besserer Erzeugerpreise möglichst viel Menge zu produzieren“, so Hansen weiter. „In den meisten Fällen dienen die Erlöse aus den Mehrmengen lediglich dazu, aufgelaufene Überbrückungskredite zu bedienen, verschobene Ersatzinvestitionen nachzuholen oder einen Reparaturstau abzubauen.“
Angesichts der Tatsache, dass Marktkrisen ein EU-weites Problem sind, ist es blauäugig zu erwarten, dass Milcherzeuger auf bloße Appelle reagieren, weniger Milch zu liefern. Verantwortung für den EU-Milchmarkt mit rund 400.000 Milcherzeugern erfordert ein organisiertes Handeln.
„Ohne ein organisiertes Vorgehen eines Lieferverzichts auf EU-Ebene mit genügend Teilnehmern in einem klar definierten Zeitraum verpufft jede Marktwirkung und würde bedeuten, dass sich einzelne Betriebe im Interesse des Gesamtmarktes regelrecht opfern, indem sie in einer Phase ohnehin niedriger Preise auf weiteres Einkommen verzichten – ohne jedwede Entschädigung. Erwartet wird damit, dass die Bäuerinnen und Bauern gegen ihre betriebswirtschaftlichen Interessen handeln. Wer so etwas fordert, lenkt von der eigenen politischen Verantwortung ab und zeigt, dass er nicht an wirksamen Lösungen interessiert ist“, stellt BDM-Sprecher Hans Foldenauer klar.
„So etwas erwartet man nur von den Bäuerinnen und Bauern – weit entfernt ist man davon, einzelnen Molkereien vorzuschlagen, Marktverantwortung zu übernehmen und sich selbst im Wettbewerb schlechter zu stellen, um eine Marktkrise schneller zu beenden.“
Seit vielen Jahren weist der BDM auf die Notwendigkeit hin, die Gemeinsame Marktordnung (GMO) so weiterzuentwickeln, dass Bäuerinnen und Bauern ein wirksames Marktmanagement übernehmen können. Ebenso lange wird dies von den Verbänden der Molkereiwirtschaft abgelehnt. „Und ebenso lange glaubt zumindest ein Teil der Politik den Versprechungen jener Akteure, die aus Marktkrisen regelmäßig als Profiteure hervorgehen“, so Foldenauer.
„Es sind genau diese Profiteure, die regelmäßig Krisen erst leugnen und dann aussitzen wollen – zu Lasten der Erzeuger. Es muss Schluss damit sein, dass ihre Stimmen mehr politisches Gehör finden als die der Bäuerinnen und Bauern, die die Krise ausbaden müssen.“
Infomaterial
Informationen und Inhalte zum herunterladen.
