Weltmilchtag 2026: Milchbauern machen Politikversagen im Milchmarkt sichtbar

Europäische Protestaktion von BDM und EMB gegen die systematische Entwertung bäuerlicher Arbeit
Mit einer provokativen Protestaktion machen Milchviehhalter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) und des European Milk Board (EMB) unmittelbar vor dem Weltmilchtag (1. Juni) öffentlich sichtbar, was aus Sicht der Bauern seit Jahren politisch verdrängt wird: die systematische Entwertung bäuerlicher Arbeit und der Leistung ihrer Tiere.

Mehrere Schleppergespanne tragen gemeinsam eine politische Botschaft und versprühen gleichzeitig großflächig Milch auf einem Feld. Die Botschaft der Aktion: „Die eigentliche Verschwendung findet nicht heute auf diesem Feld statt – sondern täglich in einem Markt, der hochwertige Lebensmittel systematisch entwertet.“
Am Weltmilchtag wird öffentlich der Wert der Milch gefeiert. Gleichzeitig arbeiten viele Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter – mit Ausnahme ganz weniger Jahre – unter ruinösen wirtschaftlichen Bedingungen.

„Wir machen heute sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt – die stille Entwertung unserer Milch und damit der Arbeitsleistung von Mensch und Tier“, erklären BDM-Vorsitzender Karsten Hansen und EMB-Vorsitzender Kjartan Poulsen. „Während Handel und Ernährungsindustrie ihre Gewinne und Position absichern, werden die Erzeuger mit den Folgen politischer Fehlentscheidungen allein gelassen.“
Die Aktion ist Teil eines europäischen Protests gegen die anhaltende Untätigkeit in der Agrarpolitik. Dass sie in Deutschland stattfindet, ist eine bewusste Entscheidung. „Deutschland steht bei europäischen Vorstößen zur Stabilisierung des Milchmarktes oder zur Verbesserung der Marktstellung der Erzeuger seit Jahren auf der Bremse“, kritisiert BDM-Vorsitzender Karsten Hansen. „Mehrere Länder sprechen sich in der aktuellen Marktkrise für die Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts aus. Deutschland hält sich vornehm zurück. Gleichzeitig sucht die Bundesregierung bei der von der EU-Kommission initiierten Vertragspflicht zwischen Verarbeitern und Erzeugern nach Schlupflöchern für die Verarbeiter, statt die Position der Milchviehhalter zu stärken.“
Die anhaltenden Krisen im Milchmarkt entstehen nicht zufällig, sondern sind Folge politischer Rahmenbedingungen, die Überproduktion begünstigen und die Marktstellung der Erzeuger systematisch schwächen.

Wie viele andere landwirtschaftliche Sektoren auch stehen die Milchviehbetriebe unter massivem Druck. Kosten für Energie, Futter, Maschinen, Bau und Auflagen steigen kontinuierlich, während der Milchpreis weitgehend von Molkereien, Handel und Weltmarkt bestimmt wird – ohne echte Verhandlungsmacht für die Höfe. Vielen Betrieben bleibt deshalb nur eine Möglichkeit, um wirtschaftlich zu überleben: mehr produzieren und auf die eigene Entlohnung verzichten.
Doch genau diese Dynamik verschärft die Krise weiter. „Mehr produzieren, um weniger zu verdienen – das ist die Realität vieler Milchviehbetriebe“, erklärt EMB-Vorsitzender Kjartan Poulsen, Milchviehhalter in Dänemark. „Das ist kein individuelles Versagen einzelner Bauern. Das ist die Logik eines Agrarmarktsystems, das trotz aller Warnungen weiter verteidigt wird.“

„Es ist zynisch, die Verantwortung auf die Höfe abzuschieben, während gleichzeitig wirksame Kriseninstrumente blockiert und Maßnahmen zur Verbesserung der Marktstellung der Erzeuger untergraben werden“, kritisiert Karsten Hansen. „Die Milchviehhalter sind bereit, Verantwortung für ihren Markt zu übernehmen, aber es muss gewährleistet sein, dass dies organisiert und damit marktwirksam geschehen kann.“
„Der Tag der Milch kann nicht ein reines Hochglanz-Event sein, während gleichzeitig bäuerliche Existenzen geschwächt und zerstört werden“, betont Kjartan Poulsen. „Wer unsere Höfe, unsere Arbeit und unsere Zukunft aufs Spiel setzt, muss mit deutlichem Widerstand rechnen.“
Mit ihrer Aktion fordern BDM und EMB konkrete politische Maßnahmen:
• Aktivierung des Freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene: Reduzierung nicht nachgefragter Mengen zur sofortigen Stabilisierung des Milchmarktes
• Verbindliche Verträge vor Lieferung: Klare Vereinbarungen zu Preis, Menge, Qualität und Laufzeit vor der Anlieferung – keine Lieferung ins Blaue hinein.
• Echte Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und Gemeinsamen Marktordnung (GMO)

 

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