Österreichischer Besuch auf Kloster Reutberg

Zum ersten Mal fand der traditionelle Milchbauernabend auf Kloster Reutberg nicht in abendlichen Stunden, sondern als erfrischender Frühschoppen am ersten Sonntag der Josefi-Woche statt. Auch dies mag dazu beigetragen haben, dass sich die Besucherzahlen der vergangenen Jahre nicht komplett einstellten.

Nach der Begrüßung durch den jungen Kreisteamleiter Sepp Eichner betrat auch gleich der Hauptredner des Morgens die Bühne. Dies war der österreichische „Milch-Rebell“ Ewald Grünzweil, der schon bei der Etablierung der fairen Milch in Österreich eine zentrale Rolle spielte und aktuell Vorsitzender der österreichischen Milchbauern-Organisation IG Milch. Dieser bewirtschaftet in seiner oberösterreichischen Heimat einen Grünlandbetrieb auf 850 Meter Höhe.

Die Dominanz der Genossenschaften und die Machtlosigkeit der Milcherzeuger hätten auch in Österreich vielen Landwirten den Eindruck von „unfreier Milch“ vermittelt. Dies habe dann zur Gründung der Freien Milch Austria GmbH und dem Projekt „A faire Milch“ geführt. Zwar habe man auch in Österreich mit einige Widrigkeiten zu kämpfen gehabt, er frage sich allerdings schon, wie die Welt heute ohne Organisationen wie den BDM oder die IG Milch aussähe. Ziel des damaligen Ansatzes sei es gewesen, die Rückwärtskalkulation der Milchauszahlungspreise zu beenden und zu einem System zu gelangen, welches die tatsächlichen Produktionskosten der Milch wirklich abbilde. Er schloss seinen Vortrag mit den Worten „Bleibt auf den Höfen und wehrt euch täglich“.

Im Folgenden berichtete BDM-Vorstandssprecher Hans Foldenauer aus der langen Geschichte des BDM und den politischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Auch wenn der politische Prozess von jeher sehr langsam von Statten gehe und viele schnellere und größere Erfolge erwartet hätten, sei das Engagement für die eigenen Betriebe alternativlos, so Foldenauer. Auch und gerade die langjährige Präsenz von Amtsinhabern mit CSU-Parteibuch habe den Milcherzeugerinnen und Milcherzeugern eher wenig geholfen und den starken Strukturwandel eher befeuert als verhindert.

Zum Ende der Veranstaltung übernahm der bayerische BDM-Vorsitzende Hans Leis das Mikrofon und berichtete vor seinem Grußwort noch von der aktuell unbefriedigenden Situation auf dem Milchmarkt und forderte endlich ein Tätigwerden der Politik. So konnte der erste BDM-Milchbauernfrühschoppen auf Kloster Reutberg pünktlich zur Mittagszeit beschlossen werden und das weitere Festprogramm Fahrt aufnehmen.