BY: Milchbauernabend mit Staatsminister Aiwanger

Zum diesjährigen Milchbauernabend im Berchtesgadener Land konnten die Kreisteams aus Berchtesgaden und Traunstein wieder namhafte Gäste begrüßen. So nahm neben dem stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger auch BDM-Bundesbeiratsvorsitzender Johannes Pfaller am gut gefüllten Tisch der Ehrengäste Platz.

Milchbauernabend mit Staatsminister Aiwanger

Zu Beginn des Abends ergriff Kreisteamvorsitzende Elisabeth Aschauer das Wort und machte – nachdem alle Honoratioren begrüßt waren – die Sorgen und Nöte der Milchviehhalter deutlich. Die Pflege der Kulturlandschaft in den Chiemgauer Alpen sei für Menschen, Identität und Tourismus der gesamten Region nicht zu ersetzen. Trotzdem sei die Politik noch nicht genug daran interessiert, die gesellschaftliche Funktion der Milchviehhaltung zu stärken und für eine bessere Überlebensfähigkeit der Familienbetriebe zu sorgen.

Nach den Grußworten des Teisendorfer Bürgermeisters Michael Gassner und von Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen, die beide für ein deutliches Plädoyer für die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft hielten, ergriffen die Hauptprotagonisten des Abends vor circa vier- bis fünfhundert Anwesenden das Wort.

Aiwanger warnte in seinem leidenschaftlichen Vortrag vor einem weiteren Anwachsen der bürokratischen Anforderungen auf den Betrieben. Am Ende könnte es sonst heißen: „Operation gelungen – Landwirtschaft tot“, so der niederbayerische Nebenerwerbs-Landwirt. Auch er stellte den bäuerlichen Familienbetrieb ins Zentrum der Betrachtung und übte deutliche Kritik an einer Betriebsgröße, die nur noch schwer handhabbar sei und Probleme geradezu produziere. Auf der anderen Seite dürfe die Kontrolldichte auch nicht weiter erhöht werden, da sonst in einigen Landkreisen „mehr Kontrolleure als Landwirte anwesend“ seien.

Thema des Freie-Wähler-Chefs bleiben auch die Wölfe: Diese gehörten nicht in die bayerische Landschaft und es würde höchste Zeit, dass Problemwölfe wirksam bekämpft und auch geschossen werden dürften. Mit Blick auf die (zu) schnelle Annahme des bayerischen Volksbegehrens zur Artenvielfalt erklärte Hubert Aiwanger seine Verpflichtung nicht nur als Landwirt, sondern auch als Mensch, nach einem Jahr für eine Evaluation der – gerade Gesetz gewordenen – Maßnahmen zu kämpfen.
Auch zur Milch äußerte sich Aiwanger: Ja, der BDM habe immer mit seiner Konzeption recht gehabt. Aiwanger forderte daneben auch eine preisliche Absicherung einer Teilmenge und sprach von einem „nachfrageorientierten Milchangebot“.

Johannes Pfaller, Milchviehhalter aus Mittelfranken und BDM-Beiratsvorsitzender, wollte seinen Vorredner Hubert Aiwanger nicht ganz aus der Verantwortung nehmen. Aiwanger sei als Politiker mitverantwortlich für den Ablauf und die Umsetzung des Volksbegehrens und auch für Abkommen wie Mercosur, die den Wettbewerb für die Landwirte verschärften. Die Probleme, die aktuell von der Gesellschaft diskutiert und kritisiert würden, seien Systemprobleme und damit auch politische Probleme. Dafür gebe es aber bisher keine Lösungsansätze. Pfaller kritisierte ein Politikversagen auf Kosten der Landwirtschaft. Es reiche nicht, den Bauern zu sagen, sie sollten selbst aktiv werden, wenn die Rahmenbedingungen ganz anders gestellt seien. Auch der Verweis auf die Verantwortung der Verbraucher sei eine Ablenkung davon, dass man auf politischer Ebene andere Weichenstellungen setzen müsse. Es müsse mehr reguliert als dereguliert werden.

Pfaller betonte in seinem weiteren Vortrag im Speziellen für die Zukunft der Milchviehhalter, dass es angesichts des Machtgefälles im Milchmarkt notwendig sei, den Durchgriff der Molkereien hin zum einzelnen Bauern zu begrenzen, wenn man einen Milchmarkt mit funktionierendem Wettbewerb und mehr Eigenverantwortung der Milchviehhalter haben wolle. Mit einer auch im Zuge der Digitalisierung immer größeren Transparenz und engeren Bindung an die Molkereien sei für die Milchviehhalter auch die Gefahr des Missbrauchs dieser Macht verbunden, wie Pfaller am konkreten Beispiel der stellvertretenden EMB-Vorsitzenden Sieta van Keimpema erläuterte, die von ihrer Molkerei willkürlich ins Abseits gestellt worden sei.

Johannes Pfaller zeigte sich in seinem Vortrag überzeugt davon, dass die Sektorstrategie 2030 des BDM der richtige Weg für die Milchviehhalter sei, die unternehmerisch denken, die unabhängig sein wollen und die bereit sind Verantwortung für ihren Markt zu übernehmen. „Ja, die Sektorstrategie ist in Teilen visionär, aber sie ist das, was wir brauchen“, erklärte der Betriebsleiter aus Mittelfranken.
Für einen stimmungsvollen Ausklang des Abends sorgte nach einem langen Programm schließlich die „Milchbauernmusi“, die auch schon bei vielen anderen Gelegenheiten ihr Können und ihre Spielfreude bewiesen hatte.  (JF)

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