BY: Stellvertretender bayerischer Ministerpräsident Hubert Aiwanger und BDM-Vorsitzender Stefan Mann zu Gast auf dem Reutberg

Ein bekanntes Gesicht in neuer Funktion konnte das BDM-Kreisteam Bad Tölz-Wolfratshausen auf dem diesjährigen Milchbauernabend in Kloster Reutberg begrüßen. Der langjährige Gast Hubert Aiwanger nahm auch als stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Freistaates Bayern als Festredner gerne am „Hochamt des BDM“ teil, wobei er auch schon in seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler so manch launiges, aber auch kämpferisches Grußwort im Festzelt in Sachsenkam gesprochen hat.

So konnte Landkreisvorsitzender Hans Falter, der wiederum circa 800 Milcherzeuger im Festzelt begrüßen konnte, nach seinen einführenden Worten auch gleich zu den Grußwortrednern übergehen. So unterstrich der Bürgermeister von Sachsenkam, Johann Schneil, die Bedeutung der Milchviehhalter für die Gemeinde und das gesamte bayerische Oberland.

Hubert Aiwanger ließ sich in seiner folgenden Festrede seine neue staatstragende Funktion kaum anmerken und sprach wie gewohnt „frei von der Leber weg“. Er machte als Wirtschaftsminister des Freistaates deutlich, dass auch die Landwirtschaft ein wichtiger Teil der bayerischen Wirtschaft sei. Gerade die Milchviehhalter seien durch die Marktkonstellation benachteiligt und sollten in der Marktstruktur mehr und bessere Beachtung finden. Hier warb er eindrücklich für neue Vertragsstrukturen, lobte aber auch ausdrücklich die Milchsonderbeihilfe und die Reduktionsbeihilfe aus der vergangenen Milchmarktkrise. Diese hätten mit einem bescheidenen finanziellen Einsatz der öffentlichen Hand maßgeblich zur Trendwende auf dem Milchmarkt beigetragen, so der Niederbayer. Dies sei vor allem dem langen Engagement der BDM angewiesen, dem er zu diesem langen Atem ausdrücklich Respekt zolle, so Aiwanger.

BY_IMG_9145_1.JPGEine klare Absage erteilte Aiwanger dem Handel mit Agrarprodukten. Dies sei ethisch nicht zu vertreten, zerstöre Märkte in Entwicklungsländern und berge die Gefahr des Verlustes der nationalen Ernährungssouveränität, wenn durch die Internationalisierung der Landwirtschaft der Strukturwandel immer weiter Fahrt aufnähme. Ein klares Bekenntnis legte Aiwanger zur besonderen Bedeutung der Landwirtschaft für ihn als Wirtschaftsminister ab: In Zeiten in denen sich in der Industrie und dem produzierenden Gewerbe die Aussichten verschlechterten, habe die Landwirtschaft immer noch eine starke Ankerfunktion, die Kaufkraft, Nachfrage und Beschäftigung sichern könne, so der bayerische Wirtschaftsminister.

Deutlich ging Aiwanger mit dem Volksbegehren für mehr Artenschutz ins Gericht. Der Versuch, die Verantwortung für den Artenschwund einseitig der Landwirtschaft zuzuschieben, sei nicht gerechtfertigt, so Aiwanger, und gerade die Grünlandbewirtschaftung gehöre eher gefördert und nicht aus politischen Gründen an den Pranger gestellt. Leider ließen sich Teile der Bevölkerung durch plakative Slogans wie „Rettet die Bienen“ ohne Kenntnis der Sache mobilisieren ohne mit den Betroffenen Gruppen direkt das Gespräch zu suchen. Ziel der bayerischen Staatsregierung und des Runden Tisches, an dem auch das BDM-Landesteam Bayern konstruktiv mitwirke, sei es daher, auch die Landwirte in die Diskussion zu integrieren und somit die Praktiker mit an den Tisch zu holen so der stellvertretende Ministerpräsident.

Auch Stefan Mann – als neuer BDM-Bundesvorsitzender zum ersten Mal auf dem Reutberg – meisterte seinen Auftritt bravourös und berichtete von der aktuellen Situation auf dem Milchmarkt und vor allem zur BDM-Sektorstrategie 2030. Im Zentrum einer zukünftigen Organisation des Milchmarktes müsse ein wirksames Fundament zur Steigerung der Krisenresistenz durch das Krisenmanagementmodell und eine spürbare Verbesserung der Marktstellung des Milcherzeugers durch das In-Kraft-Setzen des Artikels 148 GMO stehen.

In Anbetracht der partiellen Rufe aus der Politik, eine Lösung über eine Branchenorganisation herzustellen, betonte Mann die Forderung des BDM, die Erzeugerseite als eigene Branche zu definieren, und nicht eine künstliche „Branche“ aus Erzeugern, Verarbeitern und Handel zu konstruieren. Eine solche Organisation sei durch die natürlichen Interessensgegensätze zwischen den beteiligten Gruppen für die Erzeuger eher kontraproduktiv, wie die Erfahrungen beispielswiese aus der Schweiz gezeigt hätten. Im Endeffekt sei nur eine europaweite Organisation der Milcherzeuger und perspektivisch eine Situation, in der die Milchviehhalter und deren Organisationen über den Vertrieb der Milch entscheiden, ein Fortschritt für die europäischen Milcherzeuger, so Mann in seiner, häufig durch Applaus unterbrochenen Rede.

Nach den Reden konnte die Milchbauern-Blasmusik ordentlich aufspielen und bescherten den Gästen, die noch lange das Gespräch und den Austausch mit Berufskollegen suchten, einen schönen Abend im Reutberger Festzelt.

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