BY: Wolf Thema im Bayerischen Landtag

Auch in Bayern wird die fortgesetzte Ausbreitung des Wolfes zunehmend kontrovers diskutiert. Einen ersten Anlauf in dieser Thematik unternahm unlängst der Agrarausschuss des bayerischen Landtags in Form einer Anhörung von vor allem almwirtschaftlichen Verbänden. Diese sind aufgrund der Topographie im Alpenraum in einer Situation, in der auch hohe Zäune wenig Erfolg gegen den Beutegreifer versprechen.

Ebenso seien aufgrund der Lage extrem lange Sicherungen zu treffen. Die
machten die Vertreter der eingeladenen Verbände aus der Almwirtschaft in
der Anhörung im Landtag auch deutlich klar. Sowohl die Vertreter des Alpwirtschaftlichen Vereins als auch die Vertreter de Bayerischen Schafhalter und des Fleischrindervereins Bayern machten in ihren Stellungnahmen deutlich, dass der Wolf die komplette Form des Wirtschaftens extrem erschweren, bis unmöglich machen würde. So ging Erika Sauer in ihrer Funktion als Vorsitzende des Fleischrinderverbandes explizit darauf ein, welche Funktion in der Arterhaltung des Fleischrindes ihr Verband spiele; diese werde jetzt allerdings durch die Schutzwürdigkeit des Wolfes zur Disposition gestellt. Da vor allem kleine landwirtschaftliche Betriebe den Weidegang pflegten, werde durch die weitere Ansiedelung des Wolfes der Strukturwandel befördert, so Sauer.

Georg Mair und Franz Hage machten in ihren Funktionen als Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern bzw. Allgäu deutlich, dass ein Schutz der Herden nicht gewährleistet werden könne, so fänden in Frankreich mehr als 80 % der Wolfsrisse in geschützten Herden statt. Ebenso müssten die Untersuchungen zur Bestätigung eines Wolfsrisses beschleunigt und die betroffenen Landwirte schneller entschädigt werden. Auch die bayerischen Schafhalter machten ihre Ablehnung durch Vorsitzenden Josef Grasegger deutlich. Nach seiner Meinung gehöre der Wolf nicht in ein industrialisiertes Land wie die Bundesrepublik.

Ein weiterer Punkt der Diskussion war der Nachweis von Wolfrissen. Hier unterstrichen die Beteiligten, dass die Nachweisführung in der genetischen Analyse viel zu lange dauern würde und daher eine unbürokratische Entschädigung von Wolfsrissen behindert würde.
Einig war man sich zwischen Almwirten und Politik, dass der Wolf zukünftig auch wieder im Alpenraum heimisch werden wird, man aber keine generelle Bejagung ins Auge fassen könne. Gleichzeitig kann gerade im Alpgebiet und im Oberland durch bauliche Maßnahmen weder ein effektiver noch effizienter Schutz von Weidetieren sichergestellt werden. Aus diesem Grunde liefen auch Ansätze, wonach es „Wolfsgebiete“ und „Wolfs-freie-Gebiete“ geben sollte, weitgehend ins Leere.

Eindeutig verteilt waren indessen die Präferenzen auf Seiten der Politik. Sowohl die Vertreter von CSU, Freien Wählern und AfD bekannten sich ausdrücklich zu einer harten Linie in der Wolfsdiskussion, wohingegen SPD und FDP eine eher abwartende und differenzierende Position einnahmen. Kritik an der einseitig ausgewählten Sachverständigen äußersten die Grünen, betonten allerdings auch ihr Interesse an einer Lösung, die sowohl Artenschutz als auch Weidehaltung unter einen Hut bekommen solle.

Die Vertreter der beteiligten Ministerien (Landwirtschaft und Umwelt) bekräftigten die Bemühungen, für schnellere Testverfahren zu sorgen und möglichst schnell einen „Aktionsplan Wolf“ für Bayern zu entwickeln. Dies sei allerdings auch abhängig von den weiteren Entwicklungen in Brüssel und Berlin. Aus der Bundeshauptstadt waren in letzter Zeit eher Tendenzen zu vernehmen, die einen Praktiker orientierten Umgang mit dem Wolf erkennen lassen. Ausschlussvorsitzender Dr. Leopold Herz machte in seinem Schlusswort klar, dass das Thema Wolf die Landwirte sehr beschäftigt und daher auch weiterhin auf der Agenda des Agrarausschusses bleiben werde. In nächster Zeit werde sich der Ausschuss auch mit der Bedeutung für die gesamte Landwirtschaft annehmen und dann auch die Meinungen und Positionen der großen landwirtschaftlichen Verbände, wie BDM und BBV, abfragen und auch in die Diskussion einspeisen.

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