Landwirte sind wichtige Akteure beim Klimaschutz

Milchbauern diskutieren mit Bundestagskandidaten der Grünen über Agrarpolitik

Auf Einladung des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM), Kreisverband Sigmaringen, trafen sich auf dem Milchviehbetrieb von Familie Pfister in Bingen die Bundestagskandidaten von B90/Die Grünen, Maria Heubuch und Johannes Kretschmann, mit Landwirten aus der Region. Die ehemalige Europaabgeordnete Maria Heubuch aus Leutkirch kandidiert für den Bodenseekreis. Ihr Kollege Johannes Kretschmann tritt für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen an. Das Ziel des BDM sei es, faire Marktbedingungen zu erhalten, um einen Milchpreis erzielen zu können, der die Vollkosten deckt, so Adolf-Martin Hensler, der Kreisvorsitzende des BDM. „Wir wollen nicht von den staatlichen Subventionen existentiell abhängig sein“, so Hensler weiter. Dazu habe der BDM immer wieder praktikable Konzepte erarbeitet. Da die landwirtschaftlichen Betriebe stark von den Regelungen in der EU abhängig sind, arbeite man mit Partnerverbänden europaweit im „European Milkboard“ zusammen. „Es fehlt leider der politische Wille, unsere Konzepte umzusetzen, bedauert der Landwirt.

Die zusätzlichen Anforderungen an die Landwirte im Bereich von Natur- und Klimaschutz, beim Tierwohl sowie beim Erhalt der Artenvielfalt müssten durch öffentliche Gelder ausgeglichen werden, ergänzte er. Maria Heubuch, selbst Milchbäuerin, hat nicht nur als Europa-Abgeordnete, sondern auch als langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Erfahrungen in der Agrarpolitik gesammelt. Sie gibt den Milchbauern recht: „Der Milchpreis orientiert sich am Weltmarkt – das funktioniert für unsere Höfe aber nicht“, so die Politikerin. Die Anforderungen der Gesellschaft steigen ebenso wie die Kosten. Durch den Milchpreis könne der Mehraufwand aber nicht gedeckt werden, erklärt die Grünen-Kandidatin und gibt ein Beispiel: So habe sie 1988 für einen Liter Milch 80 Pfennig vom Milchwerk bekommen. Heute bekäme sie rund 35 Cent dafür! Der Rat an die Landwirte lautete bisher, „Wachsen oder Weichen“, stellte Johannes Kretschmann fest und trotzdem würden die verbleibenden Betriebe um ihre Existenz kämpfen. Auch die vielen Förderprogramme hätten das Höfe-Sterben nicht aufgehalten. Nun käme mit dem Klimaschutz ein weiterer wichtiger Aspekt für die Landwirtschaft hinzu. „Die landwirtschaftlichen Betriebe sind wichtige Akteure dabei“, betont der grüne Kandidat und weist auf die Bedeutung der Bäuerinnen und Bauern beim Erhalt unserer Kulturlandschaft hin. „Lebensmittel müssen irgendwo produziert werden – im Sinne des Klimaschutzes am besten regional“, deshalb wolle er sich dafür einsetzen, das Höfe-Sterben zu verhindern, fasste Kretschmann zusammen. Maria Heubuch plädierte dafür, den noch bestehenden Außenschutz für landwirtschaftliche Produkte zu erhalten: „Das ist aus sozialen und ökologischen Gründen gegenüber den außereuropäischen Handelspartnern gut begründbar“, erklärt sie. Sie möchte eine Marktsteuerung etablieren, die mit wirksamen Instrumenten einen verlässlichen Preiskorridor für die Landwirte gewährt. Dafür wolle sie sich einsetzen und bewirbt sich deswegen erneut um ein politisches Amt.

Weitere Infos:
Zahl der Milchviehbetriebe in Deutschland:
2000: ca. 138.000, 2020: ca. 57.000 – Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, (www.landwirtschaft.de)

Zahl der Milchviehbetriebe in B.-W.:
1999: ca. 22.000, 2019: ca. 6.300 – Landesanstalt für Landwirtschaft (www.lel.landwirtschaft-bw.de)

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