NI: Gekündigt beim DMK – was nun?

Infoveranstaltungen für Milcherzeuger in NiedersachsenDer Sachstandsbericht des Bundeskartellamts sorgte im März für Unruhe bei der größten deutschen Molkereigenossenschaft Deutsches Milchkontor DMK. Darin werden die Lieferbeziehungen der Genossenschaft scharf kritisiert.

Lange Kündigungsfristen, Preisfestsetzung im Nachhinein, Andienpflicht und Abnahmegarantie und nicht zuletzt die fast monopolhafte Stellung des DMK in einigen Regionen Norddeutschlands sorgen für eine extrem schwache Position der Lieferanten gegenüber „ihrer Molkerei“. Deshalb hatten norddeutsche Milchbäuerinnen und –bauern auch auf dem Höhepunkt der Milchkrise 2015/16 mit teils spektakulären Aktionen an DMK-Standorten auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam gemacht. Hinzu kam dann aufgrund der miserablen Auszahlungspreise während der Milchkrise eine regelrechte Kündigungswelle. Ein Viertel der Milchmenge befindet sich zur Zeit beim DMK in Kündigung.
Für die betreffenden Kündiger stellt sich dabei jetzt vor allem die Frage „Was nun?“. Um auf mögliche alternative Vermarktungswege hinzuweisen und die Chancen gemeinschaftlich gebündelter und vermarkteter Milchmengen herauszustellen, hatten die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter zu vier Infoveranstaltungen in Niedersachsen eingeladen. Einen intensiven Einstieg in die Marktzusammenhänge und die Stellung der Milcherzeuger bot jeweils Dr. Karin Jürgens, vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft, mit der Vorstellung ihrer Analyse Markt Review Milch zur Milchpreiskrise 2015/2016. Anschließend schilderte Peter Guhl, Milchbauer aus Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der MEG Milch Board, die Möglichkeiten zur koordinierten Bündelung von Milchmengen. So kümmert sich das Milch Board als übergeordnete Dachorganisation ohne eigene Vermarktungstätigkeit darum, durch Information und Beratung der Milcherzeuger und politische Interessenvertretung die Bedingungen für die Milchvermarktung verbessern. Darüber hinaus gibt es Dachorganisationen wie die Nord MEG oder die Bayern MEG, die kleinere Erzeugergemeinschaften bündeln und bei ihrer Milchvermarktung unterstützen und beraten.
Als Moderatoren und Mitdiskutierende waren bei allen vier Veranstaltungen niedersächsische BDM-Vertreter beteiligt. So leitete die Veranstaltung in Bremervörde Peter Habbena aus dem Bundesbeirat, in Stadland in der Wesermarsch war es Landesteamleiterin Johanna Böse-Hartje, die diesen Part übernahm, in Hesel Ottmar Ilchmann von der AbL und in Sulingen Dieter Rempe von der MEG Milch Board, beide ebenfalls im BDM aktiv. Deutlich wurde, dass die drei einladenden Verbände sich um die Interessen der DMK-Kündiger und der Milchbauern im allgemeinen kümmern, während die ebenfalls angefragten niedersächsischen Landvolk-Vertreter allesamt verhindert waren.
Aufgrund des wichtigen Themas, aber wohl auch vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen war es den Veranstaltern gelungen, an allen Standorten auch einen hochrangigen Vertreter der Landes- bzw. Bundespolitik mit aus Podium zu holen. Neben dem CDU-Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig waren das die agrarpolitischen Sprecher ihrer Fraktionen im niedersächsischen Landtag Hanso Janssen (Die Grünen), Wiard Siebels (SPD) und Helmut Dammann-Tamke (CDU). Selbst das DMK beteiligte sich aus dem Publikum heraus mit hochrangigen Ehrenamts-Inhabern wie dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Stürz und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz Korte intensiv an der Diskussion.
Deutlich wurde: Es ist wichtig sich zusammenzuschließen, aktiv zu werden und die Geschicke der Milchvermarktung selbst wieder stärker in die Hände zu nehmen. Das wird den Bäuerinnen und Bauern niemand abnehmen.

Autor: Ottmar Ilchmann

 

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