NI: Gespräche zum Gänsemanagement in Brüssel

(Brüssel/BEL). Neben der akuten Bedrohung durch die Milchkrise gibt es natürlich immer noch andere „Baustellen“ für das BDM-Team Ostfriesland. Mit dem  Dauerthema „Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz“ beschäftigte sich eine Delegation aus Ostfriesland am 15.07. in Brüssel auf Einladung der niedersächsischen Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz. Als Vertreter des BDM waren Andrea Sweers und Eduard Luitjens in die belgische Hauptstadt gereist.

Ergänzt wurde die Delegation durch Ottmar  Ilchmann von der AbL und Karl-Heinz Augustin von der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems BSH als örtlichen Umweltexperten. Am Vorabend wurden wir von Wigbert Mecke von der niedersächsischen Landesvertretung empfangen und trafen uns zu einem ersten Niedersachsen-internen Meinungsaustausch mit Staatssekretärin Kottwitz und Dr. Heinz Düttmann, im Umweltministerium zuständig für den Bereich Artenschutz. Gemeinsam mit Frau Kottwitz und Herrn Düttmann führten wir am folgenden Tag ein sehr offenes und konstruktives Gespräch mit Alexander Just von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission zum Thema „Gänsemanagement im Weser-Ems-Raum“. Die Milchbauernvertreter wiesen noch einmal auf die immensen Schäden gerade auf Grünlandflächen durch Gänsefraß und Verkotung hin. Diese gehen bis zum Totalausfall des ersten Grasschnittes und werden durch die Zahlungen aus  dem Gänseprogramm nicht annähernd ausgeglichen. Gerade in der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Situation der Milchviehbetriebe sind diese zusätzlichen Belastungen existenzbedrohend. Diese Einschätzung wurde von der Staatssekretärin geteilt. Herr Just verwies auf die gesamteuropäische Dimension des Gänseproblems, die einzelstaatliche Lösungen schwierig macht. Herr Augustin konnte als langjähriger Beobachter der Gänsebestände an der Ems im nördlichen Emsland viele Fakten über Verweildauer und Anzahl der Gänse liefern. Er berichtete vom interessanten Ansatz des Landkreises Emsland, durch Zählung der Gänse auf den Einzelflächen die tatsächlich entstehenden Schäden genauer zu erfassen und entsprechend zu entschädigen. Für den ostfriesischen Bereich regte Andrea Sweers vom BDM an, die Belastung durch Gänse auf den Grünland- und Getreideflächen zu verringern. Dazu könnte man Ausgleichs- und Kompensationsflächen, die vielfach fast ganz aus der Nutzung fallen, wieder etwas intensiver landwirtschaftlich nutzen, idealerweise durch Beweidung. Das würde diese Flächen für Gänse und besonders für Wiesenbrüter wieder attraktiver machen. Gleiches gilt für Außendeichflächen im Nationalpark Wattenmeer, die teilweise ebenfalls wieder beweidet werden könnten, wie es früher allgemein üblich war. Hierzu gab es von Herrn Just von der Umweltdirektion durchaus Zustimmung, sodass eventuell ein weiteres Pilotprojekt zur Außendeichbeweidung gestartet werden könnte, um die Wirkung auf die Gänsebestände zu prüfen. Insgesamt herrschte Einigkeit darüber, dass das komplexe Gänseproblem nicht mit einer Einzelmaßnahme lösbar ist, sondern ein ganzes Maßnahmenbündel erfordert. Hierzu ist eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Naturschützern auf lokaler Ebene sehr hilfreich. Miteinander und nicht übereinander zu reden, wie es auf dem Wirdumer Gänsegipfel auf Initiative des BDM schon einmal praktiziert wurde, muss die gemeinsame Devise sein.

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