NW: Podiumsdiskussion in Südlohn (NRW): Milchviehhalter fordern von führenden Agrarpolitikern die Einrichtung von tragfähigen Kriseninstrumenten

Archivfoto
Um die unterschiedlichen milchpolitischen Positionen der Parteien zu ermitteln, hatte der BDM e.V. im Vorfeld der kommenden NRW-Landtags-Wahl die Landtagsabgeordneten und Mitglieder des nordrhein-westfälischen Ausschusses für Landwirtschaft Annette Watermann-Krass (SPD), Josef Wirtz (CDU) und Norwich Rüße (Grüne) zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Milchbauern zwischen Weltmarkt und Auflagenflut“ eingeladen. Bei der von Dr. Peter Epkenhans, Geschäftsführer der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW, routiniert moderierten Debatte im Haus Terhörne im münsterländischen Südlohn (Landkreis Borken) wurde vor allem die Frage aufgeworfen, wie verheerende Milchmarktkrisen wie diejenige der Jahre 2015/2016 künftig verhindert werden könnten.

Norwich Rüße, der im Nebenerwerb einen Bauernhof nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet, führte die wiederkehrenden Krisen auf dem EU-Milchmarkt vor allem auf einen Überschuss an Milch zurück, den es auszugleichen gelte. Um die Menge besser zu steuern, sollten sich die Molkereien zukünftig besser mit den Erzeugern absprechen. Dafür machte sich auch Josef Wirtz stark, der sogar forderte, dass Molkereien auf europäischer Ebene mit den Bauern Milchmengen vereinbaren sollten – ähnlich wie die Rübenbauern und Zuckerfabriken. Der ehemalige Landwirt, der bis 1990 selbst Milchkühe hielt, blieb allerdings eine Antwort schuldig, wie dies konkret umzusetzen sei. Annette Watermann-Krass hingegen trug keinen Vorschlag zur Schaffung eines Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage auf dem Milchmarkt bei. Vielmehr appellierte sie an die Milchviehhalter, stärker als bisher in Direktvermarktung zu investieren. Der Verbraucher wäre durchaus bereit, höhere Milchpreise zu zahlen, wenn er in direkterem Kontakt zu den Erzeugern stehen würde.

Die Milchviehhalter ermahnten die führenden Agrarpolitiker, nicht mehr die Augen davor zu verschließen, dass die wiederkehrenden Krisen des Milchmarkts systembedingt seien. Als Entscheidungsträger müssten sie nun ihre Verantwortung wahrnehmen und auf EU-Ebene tragfähige Kriseninstrumente installieren, um verheerende Preisschwankungen auf dem Milchmarkt zu reduzieren. Dies würde es den Milchviehhaltern auch erleichtern, das Tierwohl zu erhöhen und durch neue Umweltauflagen bedingte Investitionen zu stemmen.

In diesem Zusammenhang kritisierten sie die Einführung teurer zusätzlicher Tier- und Umweltschutzauflagen zur Unzeit. Viele Bauern müssten aufgrund einer Änderung der nordrhein-westfälischen „Jauche, Gülle und Silagesickersaft-Anlagenverordnung“ ca. 100.000 Euro in Fahrsiloanlagen investieren, um neuen wasserschutzrechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Dies sei für Betriebe, die durch die Milchmarktkrise der vergangenen Jahre bereits finanziell ausgeblutet seien, kaum zu leisten. Darüber hinaus entstünden im Rahmen der Anpassung der Verordnung unverhältnismäßige bürokratische Anforderungen. Die anwesenden Politiker schätzten die durch die Änderung der JGS-Anlagenverordnung entstehenden zusätzlichen finanziellen Belastungen jedoch deutlich geringer ein als die Landwirte und lobten die neuen Verfahren zur Überwachung der Einhaltung der Verordnung.
Großen Beifall gab es für eine Forderung aus dem Publikum, für Krisenlösungen nicht nur auf andere zu verweisen, sondern das Marktkrisenkonzept der Milchviehhalter mit ähnlicher Schnelligkeit und Vehemenz zu unterstützen, wie sie an den Tag gelegt wird, wenn es um die Schaffung neuer Gesetze und Verordnungen für Auflagen geht.                                                                                                                             (FW)

 

Menü