SH: Das BDM Landesteam Schleswig-Holstein positioniert sich zum Thema Lebendtiertransporte

Foto: Sabine Nüsch / pixelio.de
Nach mehreren übereinstimmenden Presseberichten über Missstände bei Lebendtiertransporten (Zuchtfärsen) in Drittstaaten sind diese sehr stark in die Kritik geraten. Unterschiedliche Rechtsgutachten verunsichern die Kreisveterinäre bei Ausstellung sogenannter „Voratteste“ und Exportgenehmigungen.

Ebenfalls verunsichert sind die Tierhalter selbst, da ihnen die Informationen fehlen, ob und auf welchen Transporten die geltenden Gesetze eingehalten werden können. Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Albrecht hat daraufhin für 4 Wochen die Ausfuhr von Lebendtieren aus Schleswig-Holstein heraus ausgesetzt. Er und weitere Länderminister fordern die Bundesregierung auf, für Klarheit bei diesem Thema zu sorgen und für eine gemeinsame Lösung einzutreten. In erster Linie soll der Transport von Lebendtieren tiergerechter und es sollen die Haltungs- und Schlachtbedingungen in Drittländern verbessert werden.

Schon jetzt ist für die Milchviehbetriebe in ganz Deutschland ein riesiger Imageschaden entstanden, der auch negative ökonomische Folgen haben wird. Deshalb positionieren wir uns als Milchviehhalter in deutlicher Form:

  1. Das Krisenmanagement sowie die Kommunikation der handelnden Akteure muss deutlich verbessert werden.
  2. Die Transparenz der Transporte des Lebendviehs sowie die Schlacht- und Haltungsbedingungen in Drittländern sollen spürbar erhöht werden. Tierhalter müssen mit den notwendigen Informationen versorgt werden, um Entscheidungen treffen zu können, in welche Länder sie ihre Tiere verkaufen wollen.
  3. Wir fordern die verstärkte Überprüfung des Transportmanagements und die Einhaltung von bereits bestehenden EU-weiten Regeln. Sollten sich hier Schwachstellen auftun, muss der Gesetzgeber diese umgehend beseitigen. Es ist sinnvoll, dass alle politischen Instanzen zusammenarbeiten und allgemeinverbindliche Regeln für erfolgreiche Kontrollen für die ganze EU aufstellen.
  4. Im Rahmen von Partnerschaftsabkommen könnte die EU in Zukunft die Zusammenarbeit mit Drittländern verbessern. Häufig scheint bei der Fixierung von zu tötenden Tieren Verbesserungsbedarf zu bestehen.
  5. Wir schlagen der Bundesregierung daher vor, zertifizierte Transportrouten für den Drittlandexport zu erarbeiten und auszuweisen. Diese zertifizierten Routen müssen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und regelmäßig transparent und nachvollziehbar von den zuständigen deutschen bzw. europäischen Behörden kontrolliert werden. Für die Tragfähigkeit dieser Lösungen ist es Voraussetzung, dass  bei der Installation dieses Systems nicht nur die beteiligten Exporteure und Behörden, sondern auch Vertreter qualifizierter Tierschutzorganisationen einbezogen werden. Nur so kann es für die Tierhalter die notwendige Sicherheit geben, ihre Tiere auf Transporte in Drittländer zu schicken, die den gesetzlichen und den Ansprüchen des Berufstandes an den Tierschutz entsprechen. Dies ist ebenfalls notwendige Voraussetzung dafür, dass das Image der Milchviehhaltung und der Zucht nicht weiter beschädigt wird und Milchviehhaltung in Deutschland und Europa auch in Zukunft gesellschaftliche Akzeptanz erfahren kann.

Die betriebswirtschaftlichen Auswertungen ergeben, dass unter den derzeitigen Bedingungen in der Milchviehhaltung mit der Aufzucht weiblicher Zuchtrinder in der Regel ein finanzielles Minus gemacht wird. Trotzdem sollen diese Tiere optimal betreut werden. Als schwächstes Glied in der Wertschöpfungskette kommt den Landwirten diese Aufgabe zu. Dieses System führt zu einer weiteren Schwächung der Milchviehhalter, die mit Abstand das größte finanzielle Risiko wiederholter Preiseinbrüche auf sich nehmen. Diese Bedingungen müssen endlich geändert werden. Hierzu macht der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter als einziger Verband ganz konkrete Vorschläge um die Wiederholung gravierender Preiskrisen am europäischen Milchmarkt zu verhindern. Sofern sich die grundsätzlichen Bedingungen am Milchmarkt nicht ändern, treten Probleme immer wieder auf, die am Ende auf dem Rücken der milchviehhaltenden Betriebe ausgetragen werden.

Landesteam Schleswig-Holstein

 

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