MV: Milchproduktion in M-V 2019 – Wohin geht die Reise?

12. BDM-Milchbauerntag in Güstrow am 07. März 2019 (Güstrow/M-V). Über 100 Gäste folgten der Einladung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e.V. zur Veranstaltung zum Thema „Milchproduktion in M-V 2019 – Wohin geht die Reise?“ in das LKV-Veranstaltungszentrum nach Güstrow am Donnerstag, 07. März 2019. Die Praktiker, Politiker und Fachleute aus den landwirtschaftlichen Verbänden tauschten sich über die aktuelle Entwicklung am Milchmarkt aus und diskutierten Lösungsansätze zur Vermeidung zukünftiger Krisen mit starken Preisabfällen.

Christian Karp, BDM-Landesteamleiter M-V, freute sich über den geschlossenen Auftritt der Verbände auf dem 12. Milchbauerntag in Güstrow. „Im Sinne der Milchviehhalter müssen wir alle an einem Strang ziehen“, betonte der BDM-Landesteamleiter. „Die aktuellen Milchpreise liegen zwischen 32 und 35 Cent pro Liter und sind noch immer nicht kostendeckend. Bei den rückläufigen Anlieferungsmengen gegenüber dem Vorjahr geben die ausbleibenden Milchpreissteigerungen Anlass zur Diskussion“, so Karp.

mv_Podium_Milchbauerntag_1.jpgFür Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus müsse das Ziel der Milchviehhalter ein besserer Preis sein. Laut dem Minister hat die Politik nur begrenzt Einfluss auf die grundlegenden Mechanismen des Milchmarktes. Vor allem appellierte Backhaus an die Verbände, sich bei der Neugestaltung der Lieferbeziehungen sowie der Verteilung der Preisrisiken in der Wertschöpfungskette auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen und damit in die Verhandlungen zu gehen. Der Minister ging auch auf die stark rückläufigen Milchviehbetriebe seit der Krise 2016 ein. Nach seinen Aussagen will er die Milchviehhaltung nicht nur erhalten, sondern in Mecklenburg-Vorpommern ausbauen. „Ohne Viehhaltung gibt es keinen ländlichen Raum“, erklärte er.

Dr. Sabine Krüger, Geschäftsführerin RinderAllianz, sprach über die Entwicklungen der Milchviehbetriebe im Zuchtgebiet Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. „Der Strukturwandel geht ungebremst weiter“, so Frau Krüger. „Monatlich stellen 2 bis 3 Betriebe die Milchviehhaltung ein“, ergänzte sie. „Wenn wir die Milchviehhaltung erhalten wollen, kommen wir um eine Mengenregulierung nicht herum“, betonte die Geschäftsführerin.

Ludwig Börger, Referatsleiter Milch Deutscher Bauernverband e.V., wies den Vorwurf zurück, dass der Deutsche Bauernverband den Kontakt zur Basis verloren hätte. Er argumentierte: „Die Liberalisierung im Milchmarkt wurde von allen politischen Parteien auf nationaler und EU-Ebene vorangetrieben“. Laut Börger muss die Wettbewerbsfähigkeit für die Betriebe in Deutschland erhalten bleiben und sich die Wertschöpfung für die Milchviehhalter erhöhen. Dabei müssen seiner Meinung nach die Produktionsrisiken eingegrenzt werden. Weiterhin sieht der DBV Potenziale bei den Molkereien.

mv_Ga__ste_1.jpgJosef Assheuer, Referent Ökonomie Milchviehhaltung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, erklärte, dass die Faktorausstattung bei den Betrieben eine große Rolle spielt. Laut Assheuer ist der Eigentumsanteil an Flächen im Süden größer. Allerdings haben die Milchviehbetriebe im Norden eine höhere Effizienz. Weiter ging Josef Assheuer auf die Produktionsauflagen des Einzelhandels ein. „Jeder macht sein eigenes Label und die Theke im Laden wird immer größer“, argumentierte Herr Asheuer. Kritisch hinterfragte er die Produktionslinien, „kommt beim Landwirt überhaupt ein Mehrwert an?“.

Prof. Dr. Rainer Langosch, Fachbereich Agrarwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften der Hochschule Neubrandenburg, ging in seinem Vortrag auf die unternehmerischen Herausforderungen der Landwirte ein. „Unternehmerisches Handeln erfordert Entscheidungen“, betonte er. Dabei erklärte der Professor, dass der Erfolg bei jedem einzelnen Bauern unterschiedlich sei. Aus seiner Sicht müssen die Milchviehhalter vor allem an der Kostenschraube drehen.

BDM-Bundesvorsitzender Stefan Mann stellte abschließend die Sektorstrategie des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e.V. vor. „Die Summe der Erfahrungen in den vergangen Jahren sind in diesem Konzept zusammengefasst, um die Milchviehhalter auf Augenhöhe mit den Marktakteuren zu setzen“, erklärte der Verbandsvorsitzende. Stefan Mann schilderte, „dass noch immer die Notwendigkeit der Umsetzung von Kriseninstrumenten auf europäischer Ebene fehlt“. Er rief Minister Backhaus auf, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen. „Vor allem benötigen wir das BDM-Milchmarktkrisenmanagementkonzept auf europäischer Ebene, um Krisen abfedern zu können“, betonte Mann. In einem dritten Punkt forderte Stefan Mann die Gründung einer Branchenorganisation. Falls diese Forderungen nicht umgesetzt werden, befürchtet Stefan Mann einen starken Rückgang der Milchviehhaltung aus der Fläche.

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Ewa Kowalewska-Borys  (stellv. Agrarministerin in Polen) und Karsten Hansen

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