Versprechen eingelöst: Rundgang mit Robert Habeck auf dem Betrieb der Familie Sierck in Kropp

Im Rahmen einer gemeinsamen Videokonferenz mit dem BDM-Landesvorstand Schleswig-Holstein sagte Robert Habeck im Frühjahr zu, bei einem gemeinsamen Betriebsbesuch im Sommer intensiver über die für Milchbauern bedeutsamen Themen zu sprechen.
Ende Juli war es schließlich soweit. Der BDM-Landesvorstand empfing Robert Habeck auf „Hof Fuhlreit“, dem Betrieb der Familie Sierck in 24848 Kropp.
Neben dem gesamten BDM-Landesvorstand nahmen auch BDM-Mitglieder aus dem Kreis Schleswig-Flensburg an dem Treffen teil.

Jörn Sierck, Betriebsleiter und BDM-Landesvorsitzender, seine Söhne Arne und Hauke sowie Hof-Hündin „Lotta“, begrüßten die Gäste auf Hof Fuhlreit und stellten in einigen kurzen Sätzen ihren Betrieb vor. Familie Sierck bewirtschaftet ihren Hof seit mehreren Generationen. In den zurückliegenden 12 Jahren wurde u.a. in eine eigene Meierei und einen modernen Hofladen investiert, vor allem um mehr an der Wertschöpfung des Rohstoffs Milch beteiligt zu sein.
Aktuell werden 80 Milchkühe gemolken, es werden ca. 105 ha bewirtschaftet, außerdem werden Bullen und Ochsen gemästet. Auf dem Hof arbeiten bereits beide Söhne, Arne und Hauke, mit. Arne Sierck stellte kurz den Meierei-Bereich vor, in dem ca. 70 % der eigenen Milch verarbeitet werden.

Robert Habeck brachte in der Begrüßung seine Freude zum Ausdruck, dass es mit diesem gemeinsamen Termin vor Ort geklappt hat. Er sei immer gern mit dem BDM im Gespräch, da es sich beim Verband um einen stets kritischen Partner mit eigener politischer Positionierung handle, die offen und transparent geäußert und vertreten werde. Er teile die Auffassung des BDM, dass sich die Arbeit auf den Höfen lohnen müsse. Die Bauern sollten von ihrer Hände Arbeit leben können, grundsätzlich auch unabhängig von staatlichen Subventionen.

Während des Betriebsrundgangs sprach Jörn Sierck die immer höheren Anforderungen an die Landwirte an, die bisher nicht bezahlt würden und die auch im Rahmen der Ergebnisse des „Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung“ – bekannt als „Borchert-Kommission“ – intensiv zu diskutieren seien.

Für Robert Habeck stellen die Ergebnisse der Borchert-Kommission nach eigener Aussage ein Angebot der Politik an die Landwirtschaft dar, wie sich der Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Tierwohl refinanzieren ließe und damit leichter zu schultern sei.
BDM-Landesvorstand Heiko Strüven führte dazu aus, dass die Befürchtung der Landwirte sei, dass die Ergebnisse der „Borchert-Kommission“ als Lösung für alles gesehen würden. Dem BDM sei es wichtig, dass die Vergütungen für verbesserte Haltungsbedingungen „on top“ gezahlt würden und dass die Grundlage für den Aufschlag immer nur ein kostendeckender Milchpreis sein könne.
Der Grünen-Politiker hob im Verlauf der Diskussion hervor, dass ein fairer Milchpreis weiterhin wichtig und notwendig sei. Habeck betonte, dass er ausdrücklich unterstütze, dass die Diskussion um einen fairen Milchpreis auch losgelöst von den „Borchert-Plänen“ weitergeführt werden müsse. Der BDM sei hier ja mit verschiedenen Lösungsstrategien vorneweg unterwegs.

Heiko Strüven berichtete weiter, dass aktuell noch nicht einmal den Molkereien bekannt sei, welche Anforderungen im kommenden Jahr an die Milch gestellt würden – geschweige denn den Bäuerinnen und Bauern. Die Forderung gehe ganz klar an die Politik, nach der Wahl möglichst schnell die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Der Bundesvorsitzende der Grünen sprach in diesem Zusammenhang von einem Politikversagen. Es könne nicht sein, dass jedes Unternehmen des LEH seine ganz spezifischen Standards bestimme und sich die Wechselmöglichkeiten für die Bauern damit immer weiter reduzieren würden. Hier lasse sich die Politik seiner Ansicht nach vorführen.

Heiko Strüven lenkte in der Diskussion das Thema schließlich noch auf die Trilog-Ergebnisse aus Brüssel zu den Kriseninstrumenten. Er forderte die Politik auf, sich für die nationale Umsetzung dieser Beschlüsse einzusetzen. Habeck stellte in Aussicht, dass mit den Grünen in Regierungsverantwortung berechtigte Hoffnungen bestünden, dass das Thema Umsetzung von Kriseninstrumenten ein Bestandteil der Koalitionsverhandlungen wird. Eine „Weiter-so-Politik“ werde es mit den Grünen nicht geben.
Auch ein zukünftiges Werbeverbot für „Ramschpreise“ im Lebensmittelsektor und die Direktvermarktung bezeichnete er als weitere Möglichkeiten, den Höfen Einnahmeverbesserungen zu ermöglichen.

Jörn Sierck beleuchtete zum Ende der Diskussionen außerdem auch kurz das aktuelle Ergebnis der Molkerei-Wertschöpfungsstudie der MEG Milch Board und machte darauf aufmerksam, dass es einen echten Wettbewerb unter den Molkereien nicht gebe.

Das BDM-Landesteam zeigte sich insgesamt zufrieden, dass bei diesem Betriebsrundgang mit Robert Habeck die Möglichkeit bestand, die wesentlichen zurzeit relevanten Milchthemen gemeinsam zu diskutieren und auf die aktuellen Probleme, die nach der Bundestagswahl von der neuen Regierung dringend zu bearbeitet sein werden, hinzuweisen. Weitere Gespräche mit Wahlkreiskandidaten anderer Parteien folgen in den kommenden Wochen.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an die Gastgeber auf Hof Fuhlreit!

Euer BDM-Landesteam SH

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