Erntebilanz 2026 offenbart mehr als eine Krise

BDM: Extreme Wetterlagen verschärfen bestehende strukturelle Probleme – Bundesregierung setzt weiter auf Heftpflaster statt auf notwendige Reformen

Mit ihrer Erntebilanz 2026 zieht das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) Bilanz über die schwierige Erntesaison. Bundesminister Alois Rainer bewertet die Situation als „Krise von nationaler Tragweite“ und verweist auf eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe.

Zur Aufrechterhaltung der Liquidität wurden gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank zwei Kreditprogramme mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro aufgelegt. Darüber hinaus nennt das BMLEH unter anderem die Gewährung der EU-Düngemittelhilfe, Tilgungsaussetzungen für Rentenbankdarlehen, die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen und die Verlängerung der Gewinnglättung.

Auch die einmalige Erhöhung der Direktzahlungen für 2027 um rund 700 Millionen Euro wird als Unterstützungsmaßnahme herausgestellt. Aus Sicht des BDM handelt es sich dabei allerdings weitgehend um eine Umschichtung innerhalb der bestehenden Agrarförderung – um nichts anderes als „Linke-Rechte-Tasche-Arithmetik“. Die entsprechenden Mittel flossen bereits bisher über die Umschichtung von der ersten in die zweite Säule zu einem erheblichen Teil in die Landwirtschaft.

Die Erntebilanz 2026 zeigt damit mehr als die Folgen einer schwierigen Erntesaison: Sie macht erneut deutlich, dass die Bundesregierung auf akute Krisen mit Hilfsprogrammen reagiert, an den strukturellen Problemen der Landwirtschaft aber weiterhin vorbeiarbeitet.

BDM-Bundesvorsitzender Karsten Hansen erklärt dazu:
„Keine Frage: Die von der Hitze besonders betroffenen Bäuerinnen und Bauern brauchen Hilfe. Rund ein Drittel der Betriebe steckt bereits jetzt in massiven Liquiditätsproblemen. Die nun angebotenen Kreditprogramme sind jedoch nichts anderes als ein Verschiebebahnhof in die Zukunft – verbunden, wie schon so oft, mit der politischen Hoffnung, dass sich irgendwann wieder bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen einstellen.

Ja, es werden wieder bessere Zeiten kommen – sei es bei der Futterversorgung oder auf den Märkten. In der Regel sind diese ‚besseren Zeiten‘ jedoch von begrenzter Dauer. Oft reichen sie nicht aus, um die aufgenommenen Liquiditätsdarlehen vollständig zurückzuzahlen, geschweige denn, um darüber hinaus finanzielle Reserven zu bilden. Und diese sind extrem wichtig: Wir werden ganz sicher nicht das letzte Mal mit extremen Wetterlagen konfrontiert sein – wenn auch hoffentlich nicht immer gleichzeitig mit einer Marktkrise, wie sie aktuell in vielen Sektoren der Landwirtschaft besteht.

Vor diesem Hintergrund ist auch die angekündigte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage kritisch zu bewerten. Sie ist aus unserer Sicht eine Nebelkerze – ein Instrument, das nur für wenige Betriebe tatsächlich zu einer spürbaren Verbesserung der Liquidität führen dürfte.

Die Erntebilanz 2026 muss deshalb mehr sein als eine Auflistung von Schäden und staatlichen Hilfsmaßnahmen. Sie muss Anlass sein, die grundsätzliche Ausrichtung der Agrarpolitik zu hinterfragen.

Für uns stellt sich immer wieder die Frage: Wann beenden Bundesminister Rainer und die Bundesregierung ihre Heftpflasterpolitik in Form immer neuer Hilfsprogramme?
Wann wird endlich erkannt, dass wir Bäuerinnen und Bauern eine deutlich bessere Marktstellung gegenüber unseren Abnehmern brauchen? Eine Weiterentwicklung der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) muss darauf ausgerichtet sein, unsere Verhandlungsposition nachhaltig zu stärken. Wir brauchen ein Preisniveau, das neben der Deckung der Erzeugungskosten auch eine kontinuierliche Rücklagenbildung ermöglicht. Nur so können wirtschaftliche Perspektiven und eine echte Krisenfestigkeit der Betriebe entstehen. Wann wird erkannt, dass Agrarpolitik viel mehr ist als immer wieder die Gewährung staatlicher Gelder?

Was wir brauchen, ist eine Wende in der Agrarpolitik. Im Mittelpunkt müssen die wirtschaftliche Stabilität und Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe stehen.
Wird diese Wende nicht endlich in Angriff genommen, braucht sich die Bundesregierung nicht darüber zu wundern, wenn die Politikverdrossenheit auch unter den Bäuerinnen und Bauern weiter zunimmt.“

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