Preise und Einkommen spielen eine Hauptrolle, nicht nur eine Nebenrolle

(Berlin) In seiner heutigen Pressekonferenz zur Grünen Woche gab der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. zunächst einen kurzen Überblick über die Marktsituation 2019. Das Jahr sei geprägt gewesen von einer massiven Wirtschaftlichkeitskrise auf den Milchbetrieben: dauerhaft deutlich zu niedrige Milcherzeugerpreise verbunden mit höheren Kosten für die Betriebsmittel hatten zu einem Rückgang der Gewinne auf den Milchviehbetrieben um 30 Prozent geführt. Zu den schlechten Milcherzeugerpreisen kamen Preise für Kälber hinzu, die mit einem unteren Niveau von 10 Euro/Kalb nur katastrophal zu nennen seien, erklärte BDM-Sprecher Hans Foldenauer.

„Da ist es kein Wunder, dass die Bauern rebellisch werden und sich gegen jede weitere Belastung wehren“, erklärte BDM-Vorstandsvorsitzender Stefan Mann mit Blick auch auf die zahlreichen Bauernproteste seit dem Herbst vergangenen Jahres.

„Wir haben bereits mit unserer Demo anlässlich der Abschlusssitzung des Runden Tisches „Artenvielfalt“ in Bayern davor gewarnt, dass die Einigkeit am Runden Tisch für die Bauern kein Grund zum Jubeln ist. Wir haben darauf hingewiesen, dass es nicht reicht, an einer verfehlten Agrarpolitik mit weiteren Auflagen herumzudoktern. Wenn der Teufelskreis aus „Kostendruck è Intensivierungsdruck è negative Umweltfolgen è Auflagen è noch mehr Kostendruck“, der seine Ursache in der Ausrichtung der Agrarpolitik auf Niedrigpreise für die internationale Wettbewerbsfähigkeit hat, nicht durchbrochen wird, führt das zu Frustration und weiteren Betriebsaufgaben und nicht zur notwendigen Steigerung der Leistungsfähigkeit der Landwirte und zu vielfältigen Strukturen – das haben wir deutlich gemacht. Man hat das lange nicht ernst genug genommen.

Unsere Forderung, dass wir Erlöse für unsere Produkte brauchen, die es uns ermöglichen, unsere Betriebe wirtschaftlich nachhaltig weiterzuentwickeln und mit denen wir die notwendigen Veränderungen in Bezug auf Umwelt-, Klima-, Naturschutz und Tierwohlstandards leisten können, ist kein Nebensatz, den man nur halbherzig mitkommunizieren muss. Ein mindestens kostendeckender Preis ist die Grundvoraussetzung, wenn Landwirtschaft, Insekten und Umwelt eine zukunftsfähige Perspektive haben sollen“, so Stefan Mann weiter. „Dafür braucht es in erster Linie ein Umsteuern der Agrarmarktpolitik. Appelle an den Lebensmitteleinzelhandel oder den Verbraucher, doch bitte mehr zu bezahlen, zeigen in einem Milchmarkt, der von einem starken globalen Wettbewerb gekennzeichnet ist, wenig Wirkung.“

Aktuell stehen sich Landwirte, Politik und NGOs bei umwelt- und klimarelevanten Themen wie Agrarpaket und Düngeverordnung häufig sehr konfrontativ gegenüber.
„Wir verwenden unglaublich viel Energie darauf, die andere Seite von den eigenen Argumenten zu überzeugen und übersehen, dass es einen entscheidenden Punkt gibt, in dem die Tür eigentlich bereits offensteht: Alle sind sich einig darüber, dass es unabdingbar ist, dass die Bäuerinnen und Bauern für ihre Arbeit ein angemessenes Einkommen erzielen können“, so Stefan Mann. „Durch diese Tür, die für eine Verständigung untereinander offensteht, müssen wir dann aber auch gemeinsam gehen!“

In dieser Hinsicht versagt aus Sicht des BDM auch die Branchenstrategie 2030, an der die Verbände der Milchwirtschaft und Milchviehhaltung seit Frühjahr 2019 in mehreren Arbeitssitzungen gemeinsam gearbeitet haben.
„Die jetzt vorliegende Branchenstrategie zeigt zu wenig neue Ansätze und nimmt viel zu wenig die Marktstellung der Milchviehhalter ins Visier. Die Marktposition muss gestärkt werden, damit am Markt Preise für die Produkte erzielt werden können, die eine wirtschaftlich nachhaltige, gesellschafts- und sozial verträgliche Milchviehhaltung ermöglichen“, kritisiert BDM-Vorstandsvorsitzender Stefan Mann. „Gerne sind wir bereit, mit fachlichem Input weiter daran mitzuarbeiten, dass die Branchenstrategie einen Beitrag dafür liefert, die Milchviehbetriebe nachhaltig weiterentwickeln zu können.“


Hinweis: Mit Blick auf die ausführlicheren Stellungnahmen zu Zukunftskommission, Sektorstrategie und Düngeverordnung gilt das in der Pressekonferenz gesprochene Wort.

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