Schluss mit Mauern! Molkerei-Protestaktion bei Müllermilch/Weihenstephan mit deutlichem Zeichen

Nach den Aktionen bei Hochland und DMK haben am Freitag im Rahmen der Aktion „Schluss mit Mauern“ rund 250 Milchbäuerinnen und Milchbauern ein Ausrufezeichen bei der zum Müllermilch-Konzern gehörenden Molkerei Weihenstephan gesetzt. Nach der offiziellen Veranstaltung machten die Bäuerinnen und Bauern mit dem Aufbau einer zweiten Mauer friedlich, aber bestimmt deutlich, dass sie es ernst meinen.

„Die Aktion hatte in zweifacher Hinsicht eine hohe Symbolkraft“, erklärt BDM-Vorsitzender Stefan Mann. „Kaum ist eine Mauer eingerissen, wird die nächste hochgezogen – gegen unsere Interessen. Aber natürlich ist es in erster Linie eine klare Ansage der Bäuerinnen und Bauern, dass sie sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen und hartnäckig für ihre Forderungen einstehen. Die Polizei fuhr gestern eine harte Linie, aber die Bäuerinnen und Bauern haben sich davon nicht einschüchtern lassen. Die Sorge um unsere Betriebe ist existenziell, wir können nicht einfach hinnehmen, dass immer die wirtschaftlichen Interessen der Verarbeiter Vorrang vor unseren Existenzsorgen haben. Die aktuelle Situation ist angesichts massiver Kostensteigerungen noch einmal zugespitzt und wir haben schon viel zu viele Kollegen verloren. Wir können, dürfen und werden nicht locker lassen!“

Warum bei Weihenstephan/Müllermilch?
Müllermilch hat schon aufgrund seiner Größe und auch seiner starken Marken eine große Marktbedeutung und Durchsetzungsstärke. Gleichzeitig zeigt Müllermilch zum wiederholten Mal sein offensives Desinteresse an den Anliegen der Milchviehbetriebe.
Wie seine Kollegen mauert Müllermilch massiv, wenn es darum geht, systemische Veränderungen für die Milchviehbetriebe anzuschieben, um ihnen eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft zu ermöglichen. O-Ton Theo Müller: „Ich könnte höhere Preise zahlen, aber ich muss nicht!“

Damit bestätigt Müller indirekt auch, dass das Erzeugerpreisniveau insgesamt und nicht nur bei einzelnen Molkereien angehoben werden muss. Letztlich bestimmen immer die den niedrigsten Milcherzeugpreis auszahlenden Molkereien das Preisniveau für die gesamte Branche, da auch die Molkereien mit einer höheren Wertschöpfung nicht mehr zahlen als unbedingt nötig. Gerade weil die Molkereien untereinander in Wettbewerb stehen, braucht es politische Veränderungen, die die nötigen gleichen Rahmenbedingungen schaffen und die Position der Milchviehhalter insgesamt stärken. Aber auch dagegen mauern die Molkereien massiv!

Die Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter forderten mit ihrer Aktion alle Molkereien in Deutschland auf, dieses Mauern der kompletten Verarbeitungsbranche einzustellen und den Milchviehbetrieben eine bessere Marktposition und damit höhere Marktpreise zu ermöglichen. Nichts davon wollten und wollen die Molkereien bisher umsetzen. Auch in den Gesprächen mit dem Handel mauern sie auf breiter Front gegen jeden Vorschlag, der die Situation der Milchviehbetriebe elementar verbessern könnte.

„Auch an all die branchengläubigen Politikerinnen und Politiker geht die Botschaft: Macht endlich die Augen auf. In unserer Marktposition, die so schwach ist, dass ein Wettbewerb um Milch gar nicht mehr stattfindet, habt Ihr mit dem Setzen auf Branchenlösungen den Bock zum Gärtner gemacht“, kritisiert Stefan Mann. „Denjenigen, die ein hohes Interesse daran haben, dass alles so bleibt wie es ist und dass der Rohstoffeinkauf möglichst günstig bleibt, habt Ihr ermöglicht, über unser Schicksal mitzuentscheiden. Was bringt die Branchenstrategie den Milchviehbetrieben? Nichts!“

Eine massive Kostenunterdeckung und aktuell weitere starke Steigerungen der Produktionskosten machen die Situation der Milchviehbetriebe existenziell untragbar. Starken Preisanstiegen für viele Betriebsmittel stehen Milchpreise gegenüber, die vor sich hin dümpeln und „stabil niedrig“ gehalten werden, obwohl die Marktentwicklung die Durchsetzung deutlich höherer Preise ermöglichen würde. Für die Milchviehhalter eine unhaltbare Situation, denn schon ohne die aktuellen Steigerungen der Produktionskosten können die Vollkosten der Milcherzeugung nicht annähernd gedeckt werden: Eine Unterdeckung von 30 Prozent und mehr halten die Betriebe auf Dauer nicht aus!


 

 


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