Dürrehilfen: Weiterhin Durststrecke für die Milchbetriebe

Für den freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung als Krisenmaßnahme für den Milchmarkt hieß es, es sei kein Geld da. Für die Flächenprämien-Gießkanne setzt das Bundesagrarministerium BMLEH spontan freiwerdende Mittel in Höhe 737 Millionen Euro ein. Mittel, die freiwerden, weil nach Brüsseler Plänen eine Umschichtung nicht mehr möglich ist.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat angekündigt, die Zuweisung für die Direktzahlungen im Antragsjahr 2027 voll auszuschöpfen: rund 4,92 statt rund 4,18 Mrd. Euro. Ausgezahlt wird das Geld frühestens Ende 2027.

„Die Dürre ist jetzt. Die Milchkrise auch. Unsere Betriebe kaufen im September Futter zu. Und was jetzt als Soforthilfe angepriesen wird, sind Kredite – ein Darlehen ist keine Hilfe, sondern eine Schuld mit späterem Fälligkeitsdatum“, gibt Karsten Hansen, Vorsitzender des BDM, zu bedenken.

Was bei den Milchbauern ankommt
Die Erhöhung gegenüber 2026 beträgt rund 737 Mio. Euro, verteilt auf rund 16 Mio. Hektar – etwa 46 Euro je Hektar – wenn diese in Gänze über eine Erhöhung der Basisprämie ausgekehrt werden sollten. Ein Betrieb mit 100 Hektar und 900.000 Kilogramm Anlieferungsmenge erhielte damit rund 4.600 Euro im Jahr, also rund 0,5 Cent je Kilogramm Milch.
Der Milchauszahlungspreis lag im Juni 2026 im Bundesdurchschnitt bei 39 Cent je Kilogramm, die Produktionskosten nach dem Milch-Marker-Index bei 53,12 Cent. Die Erhöhung deckt vier Prozent dieser Lücke – in 16 Monaten.

Als kurzfristige Hilfe angeboten werden Liquiditätsdarlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie Stundungen von Sozialversicherungsbeiträgen, Tilgungen und Pachtraten. Keine dieser Maßnahmen erhöht die Erlöse eines Betriebes um einen einzigen Euro. Jeder gestundete Betrag wird später fällig, jedes Darlehen ist zurückzuzahlen. Wem 14 Cent je kg Milch fehlen, der hat am Ende dieselbe Lücke – und zusätzlich verzinste Schulden.

Der BDM fordert seit Beginn der Krise im Herbst 2025, den freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung nach Artikel 219 der Gemeinsamen Marktorganisation freizuschalten. Die Antwort lautete stets, dafür stünden keine Mittel bereit; zuletzt teilte man schriftlich mit, die Aktivierung setze den Einsatz von Steuergeld voraus und verpflichte zu einer fundierten Abwägung. Tatsächlich wurde das Programm 2016/2017 gezielt aus dem Krisenfonds des EU-Agrarhaushalts finanziert; die nationalen Haushalte wurden nicht belastet.

Der freiwillige Lieferverzicht – Hebelwirkung statt Gießkanne
„Öffentliche Mittel sind wirklich verantwortungsvoll einzusetzen“, betont Karsten Hansen. „Das bedeutet, die Mittel nicht nur zielgerichtet, also da, wo sie wirklich benötigt werden, einzusetzen, sondern auch mit der größtmöglichen Hebelwirkung. Der freiwillige Lieferverzicht brächte nicht nur liquide Mittel auf krisengebeutelte Betriebe. Durch die Verbindung der finanziellen Hilfen mit der Reduzierung der Milchanlieferung, könnte sich jeder eingesetzte Euro durch ein schnelleres Erreichen des Marktgleichgewichts und damit den Anstieg der Marktpreise vervielfachen.

Die deutsche Milchanlieferung lag im Frühjahr 2026 um mehr als sechs Prozent über dem Vorjahresniveau. Hätte man spätestens zu diesem Zeitpunkt bereits gegengesteuert, träfe die Dürre die ohnehin schon krisengeschwächten Betriebe nicht ganz so hart.
Milch, die nicht erzeugt wird, verbraucht kein Futter. Betriebe, die ihre Menge zurückgenommen hätten, wären mit größeren Vorräten in diesen Sommer gegangen – in genau die Lage, die heute beschrieben wird. Und bei auskömmlichen Preisen hätten sie getan, was Betriebe bei auskömmlichen Preisen tun: investiert.

Hansen: Dürre ist keine Marktpolitik
Der erwartete Abbau von Tierbeständen ist ebenfalls eine Mengenanpassung – mit erheblichen „Nebenwirkungen“. Der BDM hat dazu bereits Ende Juli Stellung genommen: Wer darauf hofft, dass Extremwetter den Milchmarkt bereinigt, ersetzt politische Verantwortung durch das Prinzip Hoffnung – und nimmt in Kauf, dass Mensch und Tier die Rechnung zahlen. BDM-Vorsitzender Karsten Hansen nannte es eine „Bankrotterklärung“, wenn Betriebsaufgaben, Extremwetter oder Tierseuchen als Lösung für Marktkrisen herhalten sollen.
Und ob sich diese Hoffnung wirklich realisiert, ist längst nicht ausgemacht: Während der Hitzewelle Ende Juni/Anfang Juli 2026 fielen die Anlieferungen kurzfristig auf Vorjahresniveau. Eine Woche nach deren Ende lagen sie wieder rund vier Prozent darüber.

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