MV: 11. BDM-Milchbauerntag: Nicht schon wieder 30 Cent?

(Karow/MV). Die steigenden und ungebremsten Milchanlieferungsmengen gegenüber dem Vorjahr sowie die Milchpreisabstürze Richtung 30 Cent (und die BMG mit dem Januarpreis von 23,5 Cent deutlich darunter) kündigen die nächste Milchkrise an. Aus diesem Grund forderte Christian Karp, BDM-Landesteamleiter M-V, auf dem traditionellen Milchbauerntag vor über 300 Gästen von der Politik die Umsetzung des BDM-Krisenmanagementkonzepts auf europäischer Ebene.

„Wir Milchviehhalter stehen vor immer neuen Herausforderungen mit neuen Auflagen beim Umweltschutz, Tierwohl, GVO-freie Produktion, höheren Löhnen und besseren Sozialstandards. Aber keiner will das bezahlen. Daher ist die Politik gefordert entsprechende Rahmenbedingungen zu installieren, um gewinnbringende Milchpreise zu erzielen“, betonte der BDM-Landesteamleiter.
Staatssekretär Dr. Jürgen Buchwald, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt M-V, verkündete auf der Veranstaltung. „Die Landesregierung M-V will Vorrausetzungen dafür schaffen, dass Milch weiter in M-V produziert wird.“ „Handlungsbedarf ist notwendig, um extreme Brüche zu verhindern“, ergänzte er. Allerdings erklärte der Staatssekretär, dass sich der Staat nicht mehr direkt in den Markt einmischen wird. „Die Milcherzeuger müssen selbst Verantwortung übernehmen“, und gab mit diesen Worten den Hut an die Bauern weiter. Vor allem begrüßte er die Einigkeit der Bauern und Verbände zum Thema Milch in Mecklenburg-Vorpommern. Dagegen müsse in anderen Bundesländern an der Einigkeit hinsichtlich einer gemeinsamen Strategie für einen nachhaltigen Milchmarkt gearbeitet werden. Dabei wies Dr. Buchwald daraufhin, dass der Staat nur unterstützend wirken könne. Vor allem passen für ihn die aktuellen Lieferbeziehungen mit der Andienungspflicht und Abnahmegarantie nicht mehr in die Zeit.
Im Anschluss referierte Frau Dr. Sabine Krüger, Geschäftsführerin RinderAllianz, zum Thema „Milchviehhaltung stärken – Strukturwandel begegnen“. „Die Auswirkungen auf den ländlichen Raum sind gravierend. Der Strukturwandel geht ungebremst weiter. Die Betriebe werden größer aber insgesamt gibt es weniger Kühe und der gesamte vor- und nachgelagerte Bereich in der Landwirtschaft wird weniger“, so die Geschäftsführerin. Vor allem sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Vom 30.09.2014 bis 31.01.2018 haben in Mecklenburg-Vorpommern 169 Betriebe die Milchviehhaltung eingestellt und das Land verzeichnet einen Verlust von 19.000 Kühen. Dabei betonte Frau Dr. Krüger, dass die Milchviehhaltung die umsatzstärkste Branche innerhalb der Landwirtschaft sei und ein Rückgang an Betrieben den gesellschaftlichen Wandel auf dem Land forcieren wird. Die RinderAllianz-Chefin kritisierte besonders, dass die Politik planlos auf diese Veränderungen reagiert.
Gespannt und neugierig waren die Landwirte auf die Äußerungen von Thomas Stürtz, Vorstandsvorsitzender Deutsches Milchkontor eG, zu den Zukunftsplänen der größten deutschen Genossenschaftsmolkerei. Zunächst erklärte Stürtz, der selber Land- und Energiewirt sei, dass die Milchkrise 2016 eine Ausnahme war und zu viele negative Punkte zusammenkamen. In Karow blickte er optimistisch in die Zukunft und prognostizierte einen Milchpreis, der sich zwischen 30-40 Cent/kg Milch einpendeln wird. Der Vorstandsvorsitzende schilderte den Strategiewechsel MOVE innerhalb des Molkereikonzerns, um zukünftig besser auf Veränderungen am Markt reagieren zu können. Seit der Neuausrichtung führen zwei Geschäftsführer mit kleineren Betriebsbereichen das Unternehmen. Darüber hinaus sollen neue Produkte den Umsatz ankurbeln. Auf die Kündigung der großen Rohstoffmenge in Höhe von 430 Mio. kg. Milch ab ersten Januar 2018 wurde mit Standortschließungen in Reinbeck, Bad Bibra und Bergen sowie mit einer Abteilungsschließung in Nordhackstedt reagiert. Laut Stürtz zeichnen sich seit der Umstrukturierung erste Erfolge in Form einer kürzeren Vertragslaufzeit/Kündigungszeit mit einjähriger Andienungspflicht und verpflichtender Mengenplanung ab. Darüber hinaus besteht beim DMK die Möglichkeit, Vertragslieferanten aufzunehmen.

Auf dem Podium des BDM-Milchbauerntages traf der Vizepräsident des Bauernverbandes M-V, Gerd Göldnitz, mit seiner Argumentation den Nagel auf den Kopf. „Ohne eine Veränderungsmöglichkeit bei der Mengengröße in Krisenzeiten, können wir den Marktpreis nicht beeinflussen“, so Göldnitz und er ergänzte. „Die Menge muss EU-weit in den Griff bekommen werden.“ Zudem forderte er einen Bonus für Bauern, die kontinuierlich die gleiche Menge liefern. Aus seiner Sicht sei es vor allem unverständlich, warum der Milchpreis quer subventioniert werden muss, führte er weiter aus und begründete seine Position: „Der Gewinn muss aus dem Betriebszweig kommen.“ Bei den Veränderungen der DMK Group hofft er, dass die Umstrukturierungen zu einem auskömmlichen Milchpreis für die Erzeuger führen.
Kirsten Wosnitza, Bundesbeirätin und BDM-Landesteam SH, referierte über die steigenden Ansprüche der Landwirte und Verbraucher an das Tierwohl in der Milchviehhaltung und die Frage, wie man gemeinsam diesen Ansprüchen  gerecht werden könne. „Landwirte haben 24 Stunden die Kühe im Kopf, kümmern sich um deren Gesundheitszustand, optimieren die Fütterung, pflegen die Kälber und wälzen sich nach der Stallarbeit durch die Bürokratie“, erklärte die Milchbäuerin und verwies dabei auf das Hauptproblem von zusätzlicher benötigter Arbeitszeit und Investitionen, um den steigenden Ansprüchen von Mensch und Tier gerecht zu werden. „Als Unternehmer ist es unser ureigenes Interesse, Probleme in der Milchviehhaltung zu erkennen und sie zu lösen, Das ist nicht zum Nulltarif zu haben“, betonte Wosnitza. und sei mit Milchpreisen unter 40 Cent/kg Milch schlichtweg nicht möglich. Bisher sei zu beobachten, dass der Bürger nicht konsequent als Verbraucher handelt. Hinzukommt, dass der Handel aufgrund seiner Marktmacht (Konzentration und Überschüsse) zusätzliche Tierwohlleistungen nicht finanziell honoriert.
Die in Deutschland zur Verfügung stehenden Mittel für Förderprogramme seien bei ehrlicher Rechnung nicht ausreichend, die hohen Ansprüche von Landwirten und Verbraucher zu finanzieren, das Geld dafür müsse grundsätzlich auf dem Markt erwirtschaftet werden können. Daher sei auf europäischer Ebene ein Milchmengenmanagement notwendig, um tragfähige Erzeugerpreise als Voraussetzung zu erhalten und langfristig Investitionen für Tierwohl tätigen zu können. In diesem Zusammenhang forderte Wosnitza von der Politik jetzt eine klare Position zu beziehen und sich für ein Mengendisziplinprogramm, wie es der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. seit Jahren in Krisenzeiten fordert, einzusetzen. „Auf immer stärker schwankende Märkte müssen die Milchviehhalter als Produzenten reagieren können und die Menge der Nachfrage anpassen. Nur so können wir Tierhalter unseren eigenen Ansprüchen und denen der Gesellschaft in so wichtigen Bereichen wie Tierwohl, fairen Löhnen, Qualität und Umwelt überhaupt gerecht werden. Das ist Voraussetzung für eine zukunftsfähige Milchviehhaltung“, so Kirsten Wosnitza.
In der Diskussion fragte Georg Maas, BDM-Bundesbeirat, Staatssekretär Dr. Buchwald, „Wie lange die Politik noch wartet und in Kauf nimmt, dass so viele Milchviehhalter aufgeben, bis endlich das BDM-Krisenmanagementkonzept umgesetzt wird?“ Peter Guhl legte nach und beschrieb die Ausführungen des Staatssekretärs Dr. Jürgen Buchwald als „Rückkehr in die milchpolitische Steinzeit.“ „Warum schreitet die Politik bei der Überschreitung von Grenzwerten in vielen Bereichen ein, nur nicht bei der Milch?“, heizte ein anderer Landwirt die Abschlussdiskussion weiter an.

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